Grundmodul
Controlling im Businessplan
Wie Sie im Businessplan glaubwürdig zeigen, dass Sie Ihr Unternehmen aktiv steuern: KPIs, Soll-Ist-Vergleich und ein vordefinierter Gegensteuerungs-Prozess.
Wozu Klärungsbogen und Leseliste?
Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.
Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.
In der Beratungspraxis zeigt sich immer wieder ein erschreckendes Bild: Viele frischgebackene Unternehmer heften die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) ihres Steuerberaters monatlich ungelesen ab. Sie können die Zahlen nicht interpretieren und wissen im Grunde gar nicht, warum sie dieses Dokument überhaupt bekommen.
Wenn Sie Ihren Businessplan schreiben, machen Sie bitte nicht den Fehler, das Kapitel „Controlling" als lästige Pflichtübung zu behandeln, in der Sie dem Banker erklären, dass Sie künftig eine BWA abheften. Das interessiert niemanden. Im Businessplan ist dieses Kapitel der Ort, an dem Sie beweisen, dass Sie eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen erfolgreicher Unternehmer besitzen: die Fähigkeit zur aktiven Unternehmenssteuerung.
Die meisten Gründer verwechseln Controlling mit Rückschau. Doch ein Blick in die BWA ist wie der Blick in den Rückspiegel. Ein echter Unternehmer schaut durch die Windschutzscheibe – er steuert sein Unternehmen aktiv nach vorn.
Hier erfahren Sie, wie Sie dem Banker im Businessplan glaubwürdig demonstrieren, dass Sie das Steuer Ihres Unternehmens fest in der Hand halten.
1. „To control" heißt Steuern, nicht Kontrollieren
Das deutsche Wort „Kontrolle" weckt oft Assoziationen von Überwachung und Fehlersuche. Doch der Begriff Controlling leitet sich vom englischen Begriff „to control" ab – und das bedeutet schlicht und einfach: Steuern.
Beim Controlling geht es darum, Ihr Unternehmen auf Kurs zu halten. Ein Businessplan ist ein Navigationssystem. Er zeigt den Weg, den Sie sich vorgenommen haben. Doch da kein Plan jemals exakt so eintrifft, wie er aufgeschrieben wurde, müssen Sie dem Geldgeber erklären, wie Sie Abweichungen rechtzeitig erkennen und gegensteuern.
2. Die Kennzahlen (KPIs): Worauf schauen Sie wirklich?
Verlieren Sie sich im Businessplan nicht in einem Wust aus hunderten Kennzahlen. Definieren Sie für Ihre Branche die drei bis vier Stellschrauben, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Zeigen Sie dem Banker im Text ganz konkret, auf welche operativen Frühwarnindikatoren Sie täglich, wöchentlich oder monatlich schauen:
- Auslastung und abrechenbare Stunden: Wenn Sie Dienstleister oder Handwerker sind, ist Ihre Zeit Ihr Geld. Wie hoch ist die Auslastung Ihrer Mitarbeiter? Wie viele der geleisteten Stunden können Sie dem Kunden am Ende tatsächlich in Rechnung stellen?
- Verkaufte Stückzahlen: Wenn Sie im Handel oder in der Produktion tätig sind, ist der wöchentliche Absatz Ihre wichtigste Orientierungsgröße.
- Kundenakquisitionskosten (CAC – Customer Acquisition Costs): Was kostet es Sie im Marketing und Vertrieb tatsächlich, einen einzigen neuen Kunden zu gewinnen? Wenn diese Kosten höher sind als der Wert, den der Kunde Ihnen einbringt, brennt Ihr Geschäftsmodell lichterloh – das müssen Sie sofort sehen.
3. Der Soll-Ist-Vergleich: So decken Sie Störgrößen auf
Der Banker gibt Ihnen Geld auf Basis Ihrer Planzahlen. Er will im Businessplan von Ihnen lesen, wie Sie in der Praxis überprüfen, ob diese Planzahlen (Soll) mit der Realität (Ist) übereinstimmen.
Beschreiben Sie Ihr System zur Früherkennung von Abweichungen:
- Soll-Zahlen: Die Meilensteine und Budgetgrenzen aus Ihrem Businessplan.
- Ist-Zahlen: Die realen Werte aus Ihrer Buchhaltung und Ihren täglichen Betriebsabläufen.
- Der Abgleich: Erklären Sie, dass Sie monatlich die Ist-Zahlen mit Ihren Planzahlen vergleichen. Weichen die Zahlen voneinander ab, haben Sie eine Störgröße identifiziert.
4. Die Konsequenzen: Was passiert, wenn die Zahlen nicht stimmen?
Ein Messsystem ist nutzlos, wenn Sie beim Alarm nicht handeln. Der Banker will wissen: Was lernen Sie aus den Abweichungen und wie passen Sie Ihr Handeln an?
Ein konkretes Beispiel für den Businessplan:
- Sie stellen fest, dass Ihre Kundengewinnung im zweiten Monat hinter den Erwartungen zurückbleibt.
- Die Analyse im Controlling zeigt: Ihre Kundenakquisitionskosten (CAC) sind doppelt so hoch wie geplant, weil Ihre Google-Anzeigen nicht richtig konvertieren.
- Ihre Reaktion: Sie schalten das Budget für Google-Anzeigen sofort ab (Risikobegrenzung) und steuern das Geld in den Direktvertrieb auf Branchenmessen um (Gegensteuerung), wo Sie Ihre Zielgruppe günstiger und persönlicher erreichen.
Genau das will ein Banker lesen. Er will sehen, dass Sie beim Aufleuchten einer roten Lampe nicht panisch werden oder hoffen, dass es von alleine besser wird, sondern dass Sie einen vordefinierten Prozess haben, um das Ruder herumzureißen.
Verknüpfungen zum 1×1 des Controllings
- Der Controlling-Prozess: Warum Planen nichts mit Hellsehen zu tun hat
- Wie Sie Ihre BWA von oben nach unten richtig lesen
- Liquiditätsplanung – Die universelle Flugroute für Ihr Unternehmen
- Cashburnrate und Reichweite: Die Lebensuhr Ihres Unternehmens
- Return on Investment (ROI): Substanzerhalt statt Buchhaltungs-Optik
- Prozessvorlage: Vom Upload bis zur Maßnahme (Krisenfrüherkennung)
Wie wir Sie im Controlling unterstützen
Controlling ist die Disziplin, die im Betrieb am schnellsten liegen bleibt, weil das Tagesgeschäft alles auffrisst. Hier setzen wir typischerweise an:
- KPI-Set für Ihr Geschäftsmodell: Wir definieren mit Ihnen drei bis fünf Steuerungsgrößen, die Sie realistisch monatlich pflegen können – keine 40-Kennzahlen-Cockpits, die niemand liest.
- Soll-Ist-Prozess: Wir bauen einen schlanken monatlichen Turnus (BWA-Analyse, Abweichungsanalyse, Maßnahmenliste), den Sie oder Ihr Team selbstständig weiterführen können.
- Frühwarnsystem und Reaktionsplan: Wir hinterlegen Schwellenwerte, ab denen Sie welche Maßnahmen auslösen – damit Sie im Ernstfall handeln statt hoffen.
- Sparring mit Steuerberatung und Bank: Wir übersetzen zwischen BWA-Logik der Steuerberatung und den Steuerungsfragen, die Sie als Unternehmer wirklich brauchen.
Wenn Ihre BWA seit Monaten ungelesen im Ordner landet, ist das der schnellste Hebel für eine Zusammenarbeit. Sprechen Sie uns an.
Fazit
Das Kapitel Controlling im Businessplan ist Ihre Gelegenheit, unternehmerische Reife zu demonstrieren. Indem Sie erklären, auf welche KPIs Sie schauen, wie Sie Soll- und Ist-Werte vergleichen und wie Sie bei Abweichungen operativ reagieren, nehmen Sie dem Banker die größte Sorge: die Angst, dass Sie kopflos in die erste Krise schlittern. Sie beweisen, dass Sie Ihr Unternehmen nicht dem Zufall überlassen, sondern es datenbasiert und vorausschauend steuern.
Weiterführend
FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)
- Die BWA ist ein monatlicher Bericht, der auf den Daten der Finanzbuchhaltung basiert und die Kosten- und Erlössituation eines Unternehmens darstellt. Sie dient als kurzfristige Erfolgsrechnung, ist aber keine offizielle Bilanz.
- Controlling
- Der Begriff leitet sich vom englischen "to control" (steuern) ab und beschreibt den Prozess der Planung, Steuerung und Überwachung von Unternehmenszielen. Es geht darum, das Unternehmen durch den systematischen Abgleich von Plan- und Ist-Zahlen auf Kurs zu halten.
- Key Performance Indicator (KPI)
- Ein KPI, zu Deutsch "Leistungskennzahl", ist eine Messgröße, mit der der Fortschritt bei der Erreichung wichtiger Unternehmensziele gemessen wird. Anstatt viele Daten zu wälzen, konzentriert man sich auf wenige, für den Erfolg entscheidende Kennzahlen.
- Kundenakquisitionskosten (CAC)
- Diese Kennzahl beziffert die Gesamtkosten für Marketing und Vertrieb, die aufgewendet werden müssen, um einen einzigen neuen Kunden zu gewinnen. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell erfordert, dass diese Kosten deutlich unter dem Wert liegen, den ein Kunde dem Unternehmen langfristig einbringt (Customer Lifetime Value).
- Soll-Ist-Vergleich
- Dies ist ein Kerninstrument des Controllings, bei dem die geplanten Zielwerte (Soll) den tatsächlich erreichten Ergebnissen (Ist) gegenübergestellt werden. Dieser Abgleich ist die Grundlage, um Abweichungen zu erkennen, deren Ursachen zu analysieren und steuernd einzugreifen.
- Liquiditätsplanung
- Die Liquiditätsplanung erfasst alle erwarteten Ein- und Auszahlungen eines Unternehmens für eine bestimmte Planungsperiode. Ihr Zweck ist die Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit, denn fehlende Liquidität ist einer der häufigsten Gründe für eine Insolvenz.
- Cashburnrate
- Die "Geldverbrennungsrate" gibt an, wie viel negatives freies Kapital ein (oft noch nicht profitables) Unternehmen pro Monat verbraucht. Sie zeigt Gründern und Investoren, für wie viele Monate das vorhandene Kapital noch ausreicht, um die laufenden Kosten zu decken.
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Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.
Mein Klärungsbogen
Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag
Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.
Welches einfache Tool kann ich für mein KPI-Tracking nutzen?
Ich suche eine pragmatische Software- oder Excel-Lösung, um meine wichtigsten Kennzahlen im Blick zu behalten, ohne ein komplexes System einzuführen.
Wie verknüpfe ich mein operatives Controlling mit der langfristigen Liquiditätsplanung?
Ich möchte sicherstellen, dass meine kurzfristigen Maßnahmen und Kennzahlen auf meine langfristige finanzielle Stabilität einzahlen.
Ab welcher Unternehmensgröße ist ein eigenes Controlling-Team sinnvoll?
Ich möchte eine fundierte Entscheidung treffen, ab wann ich die Controlling-Aufgaben nicht mehr selbst erledigen kann und eine eigene Stelle dafür schaffen sollte.
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