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Gute Unternehmensführung

Alternative Unternehmensfinanzierung im Fokus: Der unaufhaltsame Aufstieg von Private Credit

Kreditfonds drängen als Non-Bank-Lender in den Mittelstand. Eine Analyse zum Marktvolumen, zur Symbiose mit Private Equity, zu Risiken und zur Regulierung – basierend auf einem Podcast-Gespräch mit Prof. Dr. Sascha Steffen.

Redaktion

Redaktion

11. Juni 2026 · 11 Min Lesezeit

Alternative Unternehmensfinanzierung im Fokus: Der unaufhaltsame Aufstieg von Private Credit
Bild: KI-generiert.

Der Markt für Unternehmensfinanzierung verschiebt sich – weg von der Hausbank, hin zu Kreditfonds. Was das für den deutschen Mittelstand bedeutet, hat Prof. Dr. Sascha Steffen (Frankfurt School of Finance & Management) im Podcast „Bankgeheimnis" des Bankenverbandes ausführlich eingeordnet. Die folgende Analyse fasst die Kernaussagen dieser Episode zusammen und wurde mit Hilfe von Google Gemini auf Basis des Originalgesprächs erstellt. Wir geben sie hier unverändert wieder, damit die Argumentationslinie nachvollziehbar bleibt.

Was ist Private Credit? Die Natur der Non-Bank-Lender

Unter Private Credit versteht man die Bereitstellung von Fremdkapital an Unternehmen durch institutionelle Akteure außerhalb des klassischen Bankensektors. Diese sogenannten Kreditfonds agieren als Non-Bank-Lender. Da sie selbst keine Bankenlizenz besitzen, unterliegen sie in der Regel nicht der klassischen, engmaschigen Bankenregulierung (wie Basel III oder Basel IV) und nicht der direkten nationalen Bankenaufsicht (wie der BaFin in Deutschland). Stattdessen greift hier die spezifische Fondsregulierung (in Europa primär über die AIFM-Richtlinie für alternative Investmentfonds).

Ein wesentliches Kernsegment dieses Marktes ist das sogenannte Direct Lending, bei dem ein Kreditfonds ohne Zwischenschaltung einer Bank direkt ein Darlehen mit dem mittelständischen Unternehmen verhandelt und strukturiert.

„Private Credit ist der am schnellsten wachsende Markt der Unternehmensfinanzierung. Ist es riskant? Ja, das ist es auf jeden Fall. Wo Verluste auftreten können, muss man genau wissen, was man tut."

Marktvolumen und geografische Dynamiken

Obwohl Private Credit kein völlig neues Phänomen ist – seine Wurzeln reichen 20 bis 30 Jahre zurück –, erlebte die Anlageklasse insbesondere nach der globalen Finanzkrise von 2008 einen massiven Wachstumsschub. Die Wachstumsdynamik beschleunigte sich in den Jahren 2016 bis 2018 nochmals deutlich und hält bis heute an. Geografisch zeigt sich dabei eine klare Verteilung:

  • USA: Der mit Abstand größte Markt mit einem geschätzten Gesamtvolumen von rund 2.000 Milliarden US-Dollar (2 Billionen USD).
  • Europa: Das europäische Marktvolumen bewegt sich derzeit bei knapp unter 500 Milliarden Euro, verzeichnet aktuell jedoch die weltweit höchsten Wachstumsraten.

In Europa ist die Unternehmensfinanzierung traditionell sehr stark bankenabhängig. Genau hier liegt das enorme Potenzial für Kreditfonds, da europäische Unternehmen dringend ihre Finanzierungsquellen diversifizieren müssen, um unabhängiger von den restriktiven Kreditvergaben der Geschäftsbanken zu werden.

Verschiebung der Zielmärkte: Vom Kleinstunternehmen zum großen Mittelstand

Ursprünglich richtete sich Private Credit vor allem an kleinere Firmen und klassische kleine und mittlere Unternehmen (KMU bzw. SMEs). Doch die Volumina steigen rasant. Mittlerweile werden über einzelne Kreditfonds Kredittranchen in dreistelliger Millionen- oder sogar Milliardenhöhe vergeben.

Damit treten Kreditfonds in direkten Wettbewerb zum traditionellen Bankenmarkt sowie zum Markt für syndizierte Kredite (Konsortialkredite) und den Leveraged-Finance-Markt (Finanzierung von hochverschuldeten Unternehmen oder Übernahmen). Private-Credit-Fonds finanzieren heute vermehrt auch größere, etablierte Unternehmen, die früher exklusiv von Bankenkonsortien betreut wurden.

MerkmalKlassischer Bankenkredit / KonsortialkreditPrivate Credit (Kreditfonds / Direct Lending)
RegulierungStrikte Bankenaufsicht (Basel III/IV, BaFin, EZB)Fondsregulierung (AIFMD), geringere Bilanzrestriktionen
GeschwindigkeitOft langwierige Prüf- und GenehmigungsprozesseSehr hohe Transaktionsgeschwindigkeit („Schnelligkeit der Exekution")
FlexibilitätStandardisierte Kreditverträge und CovenantsMaßgeschneiderte, hochflexible Strukturen für komplexe Deals
ZielgruppeBreiter Markt, bonitätsstarke UnternehmenMittelstand, oft im Rahmen von Private-Equity-Transaktionen

Geschäftsleute bei Vertragsunterzeichnung am Konferenztisch, sachliche Unternehmensatmosphäre

Direct Lending: Kreditfonds und Mittelständler verhandeln direkt – ohne Bank als Zwischenschalter.

Die Symbiose von Private Equity und Private Credit

Das immense Wachstum von Private Credit ist eng mit der Entwicklung des Private-Equity-Marktes verknüpft. Wenn Private-Equity-Häuser Unternehmen aufkaufen, benötigen sie für die Hebelung ihrer Rendite erhebliche Mengen an Fremdkapital. Kreditfonds haben sich hier als die idealen Partner erwiesen. Sie bieten den Finanzinvestoren entscheidende Vorteile: unbürokratische Prozesse, absolute Diskretion, Schnelligkeit bei der Deal-Umsetzung und eine hohe Sicherheit, dass die zugesagten Mittel auch tatsächlich fließen.

Die veränderte Rolle der Banken: Partner statt Konkurrenten?

Es wäre falsch, Private Credit als reinen Verdrängungswettbewerb zulasten der Banken zu verstehen. Tatsächlich ist eine tiefgehende Verflechtung und Co-Existenz zu beobachten. Banken nehmen im Ökosystem des Private Credit heute unterschiedliche, strategische Rollen ein:

  1. Fonds-Initiatoren: Große Asset-Management-Töchter von Banken (wie beispielsweise die DWS der Deutschen Bank) legen eigene Private-Credit-Fonds auf und agieren somit selbst als Akteure in diesem Markt.
  2. Kreditlinien-Geber: Banken stellen den Private-Credit-Fonds massive Kreditlinien (sogenannte Leverage-Linien) zur Verfügung. Der Fonds nutzt dieses Bankkapital, um seine eigenen Investitionen zu hebeln.
  3. Strukturierungspartner: Über strukturierte Vehikel (wie Special Purpose Vehicles, SPVs, oder Verbriefungen) stellen Banken Liquidität bereit oder vermitteln Kredite an die Fonds weiter.

Diese Verflechtung birgt jedoch auch Risiken: In Krisenzeiten, wie zu Beginn der COVID-19-Pandemie im März 2020, kann der plötzliche Einbruch der Verbriefungsmärkte (z. B. für Collateralized Loan Obligations, CLOs) dazu führen, dass Kreditlinien revolviert werden müssen und die Liquidität im Gesamtsystem schlagartig austrocknet.

Risikoanalyse: Systemkrise oder kontrollierte Transparenzlücke?

In der medialen und regulatorischen Berichterstattung wird oft die Frage aufgeworfen, ob Private Credit die Keimzelle der nächsten globalen Finanzkrise sein könnte. Die wissenschaftliche und empirische Einordnung relativiert diese Sorge, mahnt jedoch zur Wachsamkeit:

Keine unmittelbare Systemkrise

Im Aggregat und im Vergleich zu den riesigen traditionellen Kreditmärkten ist das Gesamtvolumen von Private Credit derzeit noch zu gering, um ein echtes systemisches Risiko darzustellen. Ein wesentlicher Stabilitätsfaktor ist die hohe Eigenkapitalunterlegung der Fonds: Sogenannte Business Development Companies (BDCs) oder geschlossene Kreditfonds weisen im Durchschnitt eine Eigenkapitalquote von fast 50 Prozent auf. Zudem sind die vergebenen Kredite meist durch einen soliden Pool an Unternehmenswerten besichert und oft zusätzlich mit rund 30 Prozent Eigenkapital der beteiligten Private-Equity-Sponsoren unterlegt.

Die Achillesferse: Datentransparenz und Branchenklumpen

Das reale Problem des Marktes ist die fundamentale Intransparenz. Da es sich um private Verträge handelt, wissen Aufsichtsbehörden oft nicht genau, wo welche Risiken liegen und wie stark die gegenseitigen Verflechtungen zwischen Fonds und Banken tatsächlich sind.

Zudem zeigen sich aktuell deutliche Klumpenrisiken. Kreditfonds haben massiv in vermeintlich krisenresistente Sektoren wie Software-, Technologie- und Healthcare-Unternehmen investiert. Viele dieser Unternehmen wurden zu sehr hohen Bewertungen eingekauft und stehen nun unter dem Druck gestiegener Zinsen und der Integration neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI), welche bestehende Geschäftsmodelle radikal infrage stellt. Experten halten Ausfallraten (Default Rates) von bis zu 15 Prozent in einzelnen, aggressiv finanzierten Portfolios für durchaus im Bereich des Möglichen.

Regulatorische Perspektiven und politische Initiativen

Die Politik und internationale Gremien haben das Thema auf die Agenda gesetzt. Das Financial Stability Board (FSB) sowie europäische und US-amerikanische Aufseher (wie die SEC oder die BaFin) fordern verstärkt Datentransparenz ein.

Gleichzeitig wird Private Credit auf europäischer Ebene politisch aktiv gefördert. Im Rahmen der Bestrebungen zur Schaffung einer Kapitalmarktunion (oft auch als Savings and Investment Union bezeichnet) sowie durch Initiativen wie die deutsche „Win-Initiative" oder den „Deutschlandfonds" soll vermehrt privates Kapital mobilisiert werden. Das Ziel ist es, privates Vermögen von institutionellen Investoren und langfristig auch von privaten Kleinanlegern (Retail-Investoren) in die Finanzierung von Unternehmen und Zukunftstechnologien zu lenken.

Fazit für Unternehmer

Für den gehobenen Mittelstand ist der Aufstieg von Private Credit eine hervorragende Nachricht. Er bricht das traditionelle Bankenmonopol auf und bietet schnellen, flexiblen Zugang zu Wachstumskapital. Die europäische Wirtschaft profitiert von dieser Diversifikation des Finanzierungssystems, da Kreditrisiken nun auf mehr Schultern verteilt werden. Unternehmer sollten Private Credit jedoch nicht als „billiges Geld" verstehen, sondern als strategisches, hochpreisiges Instrument, das exzellent gemanagt werden muss. Für die Finanzaufsicht bleibt die Kernaufgabe der nächsten Jahre, Licht in die Transparenzlücken dieses boomenden Marktes zu bringen, ohne dessen Innovations- und Finanzierungskraft abzuwürgen.

Zur Person und Quelle

Prof. Dr. Sascha Steffen ist Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und Inhaber des DWS Senior Chair in Finance. Er forscht intensiv zu den Strukturen und Dynamiken von Private Credit und Non-Bank-Lending. Die obige Analyse basiert auf der Episode des Podcasts „Bankgeheimnis" des Bankenverbandes mit Prof. Steffen.

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FAQ

Häufige Fragen

Glossar

Private Credit
Bezeichnet Kredite, die nicht von klassischen Banken, sondern von spezialisierten Fonds oder institutionellen Investoren direkt an Unternehmen vergeben werden.
Direct Lending
Eine Form von Private Credit, bei der ein Kreditfonds ohne Zwischenschaltung einer Bank direkt mit einem Unternehmen einen Kreditvertrag aushandelt und abschließt.
Kreditfonds (Credit Fund)
Ein Investmentfonds, der Kapital von Anlegern sammelt, um es in Form von Krediten an Unternehmen zu investieren. Er agiert als Nicht-Bank-Kreditgeber (Non-Bank-Lender).
Covenants (Kreditauflagen)
Vertraglich festgelegte Bedingungen in einem Kreditvertrag, die der Kreditnehmer einhalten muss. Sie können finanzielle Kennzahlen oder bestimmte Handlungen betreffen, um das Risiko für den Geldgeber zu begrenzen.
Konsortialkredit (Syndicated Loan)
Ein Großkredit, der von mehreren Banken oder Finanzinstituten (einem „Konsortium“) gemeinsam an einen Kreditnehmer vergeben wird, um das Finanzierungsvolumen und das Risiko aufzuteilen.
AIFM-Richtlinie
Die europäische „Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds“. Sie bildet den regulatorischen Rahmen für Manager von Fonds, die nicht unter die klassische Bankenregulierung fallen, wie z.B. Private-Credit- oder Private-Equity-Fonds.

Weiterführendes

Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.

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  • Ist Private Credit für mein Unternehmen überhaupt bezahlbar?

    Wir müssen Ihre Kapitalstruktur und Ertragskraft analysieren, um die im Vergleich zum Bankkredit höheren Kosten realistisch einschätzen zu können.

  • Wie schütze ich mich vor den Risiken der Intransparenz bei Kreditfonds?

    Wir müssen eine Strategie entwickeln, wie Sie durch gezielte Due-Diligence-Prüfungen und Vertragsgestaltung die mangelnde Transparenz des Anbieters ausgleichen.

  • Funktioniert Private Credit auch ohne einen Private-Equity-Investor?

    Wir müssen klären, ob Ihr Geschäftsmodell und Ihre Kapitalstruktur auch für Direct-Lending-Fonds attraktiv sind, die nicht auf PE-Deals spezialisiert sind.

  • Welche Vertragsklauseln (Covenants) sind bei Kreditfonds anders als bei der Hausbank?

    Wir müssen die typischen Covenants von Kreditfonds verstehen, um Ihre unternehmerische Freiheit durch die Finanzierung nicht unerwartet einzuschränken.

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