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Die Evolution der Mittelstandsfinanzierung: Was bedeutet die „fivewi Branchen-Finanzierbarkeit" für deutsche KMU?
Die Evolution der Mittelstandsfinanzierung: Was ist die fivewi Branchen-Finanzierbarkeit? Automatisierte Banken-Scorings erschweren deutschen KMU den Kapitalzugang. Im Interview erklärt Willi Saubert, wie der digitale Finanzierungs-Supermarkt „fivewi“ und alternative Instrumente wie Sale-and-Lease-Back Unternehmen trotz negativer Branchenbonität liquide halten.
Redaktion
20. Mai 2026 · 11 Min Lesezeit

Ein Gespräch mit dem Wirtschaftswissenschaftler Willi Saubert über den digitalen „Supermarkt für Unternehmensfinanzierung", verhärtete Banken-Scorings und strategische Selbsthilfe ohne teure Berater.
Die Finanzierungslandschaft für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Gründer befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Starre, automatisierte Scoring-Modelle der Banken und mangelnde Transparenz machen den Zugang zu Kapital zunehmend zu einem Nadelöhr. Die Unternehmensberatung Peter Saubert – Unternehmensberatung für Gründung und Unternehmensfinanzierung begleitet Betriebe seit Jahren durch diese Klippen. Mit dem Supermarkt für Unternehmensfinanzierung fivewi wurde ein Modell geschaffen, das Finanzierung demokratisiert. Wir sprachen im Unternehmer-Magazin mit Willi Saubert, Unternehmensberater und geschäftsführendem Gesellschafter der fivewi über das Prinzip des Finanzierungs-Supermarkts, die aktuelle „Branchenbonität" und wie KMU trotz negativer Sektor-Scorings liquide bleiben.
Das Gespräch hat unser Leon geführt.

Herr Saubert, Sie haben sich Anfang 2023 entschieden, Ihre wirtschaftswissenschaftliche Expertise in die Unternehmensberatung Ihres Vaters einzubringen. Seither treiben Sie insbesondere die Themen Geschäftsmodell-Entwicklung, Prozessautomation und die Neuausrichtung der Unternehmensfinanzierung voran. Was war der Auslöser, mit „fivewi" einen völlig neuen Weg einzuschlagen?

Der Auslöser war eine grundlegende Frustration, die wir tagtäglich im Beratungsalltag und bei Mandanten beobachtet haben. Die klassische Finanzierungsbranche ist extrem undurchsichtig. Gründer und etablierte Unternehmer stehen oft vor einem Dschungel aus Angeboten, Zinssätzen und ungeschriebenen Gesetzen. Ein echter Vergleich von Finanzierungslösungen ist kaum möglich. Das zieht leider auch schlechte Berater an, die für Standardleistungen horrende Summen verlangen. Wir haben uns gefragt: Warum müssen Unternehmer stundenlang beim Banker rumsitzen oder viel Geld für Dinge bezahlen, die sie mit der richtigen Struktur eigentlich selbst erledigen können? Daraus entstand die Vision von fivewi – ein digitaler, transparenter Selbstbedienungsprozess, der den Ball zurück ins Feld der Unternehmer spielt.

Sie nennen fivewi den „Supermarkt für Unternehmensfinanzierung". Das klingt sehr pragmatisch. Wie funktioniert dieses Konzept konkret in der Praxis?

Genau das ist der Punkt: Es gibt bei uns kein künstliches Aufblähen von Prozessen, keinen „Schnick-Schnack". Wir verstehen uns als Supermarkt, weil wir das logistische Regal mit der passenden Lösung bereitstellen. Der Unternehmer geht quasi durch die Gänge und wählt aus drei großen Regalen:
Für Gründer – wenn die Firma in den ersten zwei Jahren steckt und Herausforderungen wie Businessplan, Förderungen oder Schufa anstehen.
Für Wachstum – wenn etablierte KMU expandieren wollen.
Für Krisen – wenn akute Liquiditätsengpässe oder eine drohende Insolvenz gemanagt werden müssen.
Die Formulare füllt der Unternehmer selbst aus, die Unterlagen sucht er selbst zusammen. Da kein klassischer Berater dazwischengeschaltet ist, spart das Unternehmen direkt bares Geld und behält die volle Kontrolle über den Prozess.

Der „Supermarkt für Unternehmensfinanzierung": Unternehmer wählen selbst aus den Regalen Gründung, Wachstum und Krise.

Ein zentraler Begriff auf Ihrer Plattform und in Ihrer täglichen Arbeit ist die „fivewi Branchen-Finanzierbarkeit" beziehungsweise die aktuelle Branchenbonität. Warum gewinnt dieser Faktor gegenüber der rein individuellen Bonität eines Unternehmens so stark an Bedeutung?

Die Bankenwelt hat sich radikal digitalisiert und standardisiert. Früher prüfte der Bankberater vor Ort das konkrete Unternehmen, die Maschinen, den Menschen dahinter. Heute wandern die Daten in automatisierte Kreditprüfungssysteme unserer Finanzierungspartner. Diese Systeme arbeiten mit sogenannten Cluster-Risiken. Wenn eine gesamte Branche makroökonomisch unter Druck gerät, wird der Branchen-Score im System pauschal herabgestuft. Das hat fatale Folgen: Selbst ein hervorragend geführtes, profitables Unternehmen bekommt plötzlich keine Finanzierung mehr oder nur zu extrem schlechten Konditionen, schlicht weil es in der „falschen" Branche tätig ist. Die Branchen-Finanzierbarkeit bestimmt also das Fundament – erst danach wird die individuelle Bonität geprüft.
Heute entscheidet oft das automatisierte Branchen-Scoring der Banken, ob ein Unternehmen überhaupt eine Chance auf Kapital hat – völlig unabhängig davon, wie solide der Betrieb individuell wirtschaftet.
— Willi Saubert

Lassen Sie uns konkret auf die aktuellen Daten blicken. Auf Ihrer Plattform veröffentlichen Sie regelmäßig die Branchenbonitätsbewertungen. Wie stellt sich die Situation aktuell für klassische Sektoren dar? Wer sind die Sorgenkinder der Finanzierer?

Die jüngsten Analysen unserer Finanzierungspartner zeigen deutliche Verhärtungen. Nehmen wir das Baugewerbe und das Baunebengewerbe: Beide Sektoren werden flächendeckend als sehr negativ bewertet. Finanzierungen ohne erhebliches Eigenkapital und handfeste Sicherheiten sind dort faktisch unmöglich. Selbst das Leasing von größeren Fahrzeugen oder Baumaschinen ist meist nur noch über hohe Sonderzahlungen oder Zusatzsicherheiten umsetzbar. Auch Factoring ist im Baunebengewerbe kaum noch darstellbar. Ähnlich sieht es bei den Architekten aus: Auch sie werden aktuell negativ bewertet. Reine Projektfinanzierungen sind nahezu ausgeschlossen, und alles hängt an der privaten, persönlichen Bonität des Inhabers.

Gibt es Branchen, bei denen die Uhren anders ticken oder die trotz des schwierigen Umfelds einfacher an Kapital gelangen?

Ja, der digitale Handel zeigt ein ganz anderes Muster. Die Bonität von Amazon-Händlern beispielsweise hängt fast ausschließlich vom wirtschaftlich nachgewiesenen, laufenden Erfolg ab. Wer dort skalierbare, datengestützte Erfolge über eine aktuelle BWA oder den letzten Jahresabschluss nachweisen kann, finanziert relativ einfach. Jungen oder stagnierenden Händlern hingegen fällt es extrem schwer; da sehen wir oft eine digitale Wand. Es ist eine binäre Welt geworden: Entweder die nackten Zahlen der Plattform stimmen, oder die Finanzierung ist unmöglich.

Wenn nun ein Bauunternehmer, ein Handwerker oder ein Architekt hört, dass seine Branche pauschal „negativ" gescort wird – welche Handlungsoptionen hat er überhaupt noch? Ist das das Ende der Wachstumspläne?

Keineswegs, aber man muss die klassischen Pfade der Hausbank verlassen. Genau dafür entwickeln wir bei fivewi spezifische „Finanzierungsrezepte" für Branchen wie Bildungsträger, Transportunternehmen oder das Handwerk. Wenn der klassische Unternehmenskredit privat oder geschäftlich blockiert ist, weichen wir auf objektgesicherte oder alternative Instrumente aus. Ein hervorragendes Werkzeug in Branchen mit schlechter Branchenbonität oder akuten Liquiditätssorgen ist beispielsweise Sale-and-Lease-Back (SLB). Dabei verkauft das Unternehmen eigene, bereits abbezahlte Anlagegüter oder Maschinen an eine Leasinggesellschaft und least sie sofort zurück. Das bringt sofortige Liquidität, ist rein objektgesichert und funktioniert oft unabhängig vom Branchen-Score. Auch strukturiertes Factoring – also der Verkauf von offenen Forderungen – kann für das Baunebengewerbe, wo Zahlungsziele oft strapaziert werden, die Rettung sein, sofern es richtig eingefädelt wird.

Sie erwähnten, dass fivewi eng mit der klassischen Unternehmensberatung von Peter Saubert verzahnt ist. Hier schlägt sich auch eine Brücke zu Ihren „Markt- und Trendberichten". Welchen Mehrwert bieten diese Berichte den Unternehmern im Kontext der Finanzierung?

Ein erstklassiger Businessplan und eine fundierte Marktstrategie sind das Fundament jeder Finanzierung. Banken fordern heute harte Fakten, keine Bauchgefühle. Die Peter Saubert – Unternehmensberatung erstellt seit jeher tiefgründige Marktanalysen für KMU. Diese Studien kosten im Individualauftrag normalerweise vierstellige Beträge – für einen kleinen Handwerksbetrieb oder Gründer oft unerschwinglich. Über fivewi haben wir ein Smart-Sharing-Modell etabliert. Wir bereiten diese hochkarätigen Berichte branchenspezifisch auf, sodass sich viele Unternehmer die Erstellungskosten teilen. Dadurch demokratisieren wir strategisches Expertenwissen zu einem Bruchteil des Marktpreises. Wenn ein Unternehmer mit einem solchen datengestützten Bericht und einer exakt ausgearbeiteten Liquiditätsplanung bei den alternativen Finanzierungspartnern antritt, kompensiert er damit das negative Branchen-Scoring.

Zum Abschluss, Herr Saubert: Was ist der wichtigste Rat, den Sie einem mittelständischen Unternehmer oder Gründer für die kommenden Monate mit auf den Weg geben möchten?

Erstens: Kennen Sie Ihre Bonität und Ihr Geschäftsmodell im Detail, bevor Sie überhaupt das erste Gespräch führen oder ein Online-Formular abschicken. Zweitens: Vermeiden Sie fatale Abkürzungen. Wir sehen oft, dass Gründer aus Verzweiflung einen privaten Verbraucher-Ratenkredit aufnehmen, um das Stammkapital einer GmbH zu finanzieren. Das ist ein strategischer Fehler, denn da Sie für alle Finanzierungen im Unternehmen persönlich haften, blockieren Sie sich damit nachfolgende, echte Unternehmensfinanzierungen komplett. Nutzen Sie stattdessen die Hebel, die Ihnen die Digitalisierung bietet. Bereiten Sie Ihre Dokumente akribisch vor, nutzen Sie strukturierte Selbstauskünfte und schauen Sie gezielt nach branchenspezifischen Spezialfinanzierungen abseits der starren Hausbankstrukturen. Der Schlüssel liegt in der Eigenverantwortung – wer seine Zahlen selbst versteht und aufbereitet, braucht keine teuren Berater, um erfolgreich zu finanzieren.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Saubert.
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FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Bonität
- Die Bonität beschreibt die Kreditwürdigkeit und die Fähigkeit eines Unternehmens oder einer Person, anfallende Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Sie ist ein entscheidendes Kriterium bei der Vergabe von Krediten.
- Branchenbonität
- Eine auf Basis makroökonomischer Daten von Banken und Finanzierungspartnern vorgenommene Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines ganzen Wirtschaftszweigs. Diese Bewertung dient oft als Vorfilter, bevor das einzelne Unternehmen geprüft wird.
- BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung)
- Ein monatlicher Bericht aus der Finanzbuchhaltung, der einen kurzfristigen Überblick über die Kosten- und Ertragslage eines Unternehmens gibt. Die BWA ist eine wichtige Unterlage für Banken, um die aktuelle Geschäftsentwicklung zu beurteilen.
- Factoring
- Der Verkauf offener Forderungen (Rechnungen) an einen spezialisierten Dienstleister (den Factor). Das Unternehmen erhält dadurch sofort sein Geld und überträgt das Ausfallrisiko auf den Factor.
- Liquidität
- Die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachzukommen. Sie ist eine zentrale Kennzahl für die kurzfristige finanzielle Stabilität eines Betriebs.
- Sale-and-Lease-Back (SLB)
- Ein Finanzierungsverfahren, bei dem ein Unternehmen einen Vermögensgegenstand seines Anlagevermögens (z. B. Maschinen, Fahrzeuge) an eine Leasinggesellschaft verkauft und direkt im Anschluss zurückleast. Dies schafft sofortige Liquidität aus stillen Reserven.
- Scoring
- Ein automatisiertes, mathematisch-statistisches Verfahren, mit dem Banken und Finanzdienstleister einen Wahrscheinlichkeitswert für einen Kreditausfall berechnen. In den Score fließen diverse Merkmale wie Branche, Bilanzkennzahlen oder Zahlungshistorie ein.
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Diese Frage ist entscheidend, um zu klären, ob Ihre bereits abbezahlten Maschinen als Liquiditätsquelle dienen können, ohne neue Kredite aufzunehmen.
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Wie kann ich mit Businessplan und Marktanalyse ein negatives Branchen-Scoring ausgleichen?
Dies hilft uns zu verstehen, welche Kennzahlen und strategischen Daten wir hervorheben müssen, um alternative Geldgeber von Ihrem Geschäftsmodell zu überzeugen.
Ist Factoring für meinen Handwerks- oder Baubetrieb eine Option und was sind die Hürden?
So können wir prüfen, ob der Verkauf offener Rechnungen für Sie strategisch sinnvoll ist und wie sich die typischen Fallstricke der Branche vermeiden lassen.
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