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Modul

Liquiditätsgrade – Können Sie Ihre Rechnungen auch übermorgen noch bezahlen?

Barliquidität, Quick Ratio, Current Ratio: wie die drei Liquiditätsgrade Fristigkeit messbar machen und warum die 2. Stufe Ihr wichtigstes Frühwarnsystem ist.

Wozu Klärungsbogen und Leseliste?

Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.

Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.

Wie „Meins" funktioniert

Inhalt

Erinnern Sie sich an unseren allerersten Beitrag? Da haben wir gelernt: Ihr Kontostand ist nur eine Momentaufnahme, während echte Liquidität dynamisch ist. Heute gehen wir einen Schritt tiefer in die Werkzeugkiste des Controllings und knöpfen uns den Faktor Zeit vor – im Fachjargon Fristigkeit genannt.

Denn Geld ist nicht gleich Geld. Ein Schein in Ihrer Kasse ist sofort einsatzbereit. Eine offene Rechnung an einen Kunden bringt Ihnen vielleicht in 30 Tagen Geld. Und die Ware, die in Ihrem Lager verstaubt, muss erst noch verkauft werden. Auf der anderen Seite drängen Lieferanten und das Finanzamt mit unterschiedlichen Fristen.

Um dieses Timing perfekt zu steuern, nutzt das Controlling die drei Liquiditätsgrade. Sie zeigen Ihnen blitzschnell, ob die Fristigkeit Ihrer Vermögenswerte zur Fristigkeit Ihrer Schulden passt.

Das Grundprinzip: Das Wettrennen gegen die Zeit

Die Liquiditätsgrade setzen Ihr kurzfristiges Vermögen (alles, was schnell zu Geld gemacht werden kann) ins Verhältnis zu Ihren kurzfristigen Verbindlichkeiten (alles, was Sie in den nächsten Wochen und Monaten bezahlen müssen).

Die goldene Regel der Fristigkeit: Kurzfristige Schulden müssen durch kurzfristig verfügbares Geld gedeckt sein. Wer eine Waschmaschine auf Raten kauft, zahlt sie aus dem laufenden Gehalt. Wer ein Haus kauft, nimmt einen langfristigen Kredit. Im Unternehmen ist es genau das Gleiche.

Die drei Stufen der Wahrheit

Je nachdem, wie „flüssig" Ihr Vermögen ist, unterscheidet das Controlling drei Stufen.

1. Liquidität 1. Grades (Barliquidität / Cash Ratio)

Hier wird der absolute Ernstfall geprobt: Wenn heute alle Lieferanten gleichzeitig vor Ihrer Tür stünden und sofort ihr Geld haben wollten – könnten Sie zahlen? Es zählen nur das Guthaben auf der Bank und die Kasse.

Formel: Liquidität 1. Grades (%) = (Flüssige Mittel / Kurzfristige Verbindlichkeiten) × 100

Zielwert: 10 % bis 30 % sind völlig ausreichend.

Unternehmer-Realität: Warum nicht 100 %? Weil totes Geld auf dem Girokonto keine Rendite abwirft. Ein zu hoher Wert zeigt oft, dass Sie Chancen verpassen, das Geld gewinnbringend zu investieren.

2. Liquidität 2. Grades (Einzugsbedingte Liquidität / Quick Ratio)

Das ist die wichtigste Kennzahl für Ihr tägliches Überleben. Hier nehmen wir zu Ihrem Bankguthaben noch das Geld dazu, das Ihnen Ihre Kunden aus bereits geschriebenen Rechnungen (Forderungen) schulden. Es wird davon ausgegangen, dass diese Kunden in den nächsten Tagen und Wochen zahlen.

Formel: Liquidität 2. Grades (%) = ((Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen) / Kurzfristige Verbindlichkeiten) × 100

Zielwert: Rund 100 %.

Unternehmer-Realität: Liegt dieser Wert unter 100 %, brennt die Hütte. Es bedeutet, dass das Geld, das demnächst reinkommt, nicht ausreicht, um die Rechnungen zu bezahlen, die demnächst fällig werden. Sie leben von der Hand in den Mund und sind gefährdet, in die Zahlungsunfähigkeit zu rutschen.

3. Liquidität 3. Grades (Umsatzbedingte Liquidität / Current Ratio)

Hier nehmen wir zusätzlich Ihr komplettes Lager (Vorräte, Rohstoffe, fertige Produkte) mit in die Rechnung auf. Die Logik: Die Ware im Lager wird hoffentlich bald verkauft, wird dadurch zur Forderung und am Ende zu Geld auf dem Konto.

Formel: Liquidität 3. Grades (%) = ((Flüssige Mittel + Forderungen + Vorräte) / Kurzfristige Verbindlichkeiten) × 100

Zielwert: 120 % bis 150 %.

Unternehmer-Realität: Da der Verkauf von Lagerware Zeit kostet (und Risiken birgt, falls die Ware zum Ladenhüter wird), muss dieser Wert deutlich über 100 % liegen. Ist er zu hoch, haben Sie vermutlich zu viel Geld in einem riesigen, unproduktiven Lager „eingesperrt".

Die Liquiditätsgrade im schnellen Vergleich

GradNameWas wird eingerechnet?Optimaler ZielwertAussage für Sie
1. GradBarliquiditätNur Bank und Kasse10 % – 30 %Kann ich heute die dringendsten Rechnungen zahlen?
2. GradQuick RatioBank + Kundenforderungenca. 100 %Ihr wichtigster Radar: Reicht das Geld der nächsten Wochen für die Rechnungen der nächsten Wochen?
3. GradCurrent RatioBank + Forderungen + Lager120 % – 150 %Ist mein kurzfristiges Vermögen insgesamt größer als meine kurzfristigen Schulden?

Warum das Fristen-Timing oft schiefläuft

Viele Unternehmer rutschen in Liquiditätsengpässe, weil sie die Fristen falsch matchen. Zwei klassische Fehler aus der Praxis:

  • Das „Aufs-Geld-Warten"-Problem: Sie gewähren Ihren Kunden 60 Tage Zahlungsziel, Ihr Lieferant will sein Geld aber nach 14 Tagen. Selbst bei einer tollen Liquidität 3. Grades (weil das Lager voll ist) bricht Ihnen die Liquidität 1. und 2. Grades weg, weil das Timing asynchron ist.
  • Die Investitions-Falle: Sie kaufen eine teure neue Software oder eine Maschine für 20.000 € direkt vom Geschäftskonto. Damit plündern Sie Ihre flüssigen Mittel (1. Grad). Die Maschine bringt Ihnen den Umsatz aber erst über die nächsten drei Jahre verteilt ein. Ergebnis: Sie können nächsten Monat die Gehälter nicht zahlen.

Fazit und Praxistipp

Werfen Sie einmal im Monat – am besten gemeinsam mit Ihrem Steuerberater oder über Ihr Controlling-Tool – einen Blick auf die Liquidität 2. Grades. Sie ist das Frühwarnsystem Ihres Unternehmens. Droht sie unter die 100-Prozent-Marke zu fallen, müssen Sie sofort gegensteuern: Mahnwesen straffen, längere Zahlungsziele mit Lieferanten verhandeln oder den Kontokorrentrahmen temporär erhöhen.

FAQ

Häufige Fragen

Glossar

Fristigkeit
Ein Prinzip, das die Laufzeit von Vermögenswerten und Schulden beschreibt. Die goldene Regel besagt, dass die Fristigkeit der Finanzierung (wie lange Geld zur Verfügung steht) mit der Fristigkeit der Investition (wie lange Geld gebunden ist) übereinstimmen sollte.
Flüssige Mittel
Der liquideste Teil des Unternehmensvermögens. Dazu gehören Bargeld (Kasse) und Bankguthaben, also alles, was sofort zur Zahlung verwendet werden kann.
Kurzfristige Verbindlichkeiten
Schulden eines Unternehmens, die innerhalb eines Jahres zur Zahlung fällig werden. Dazu zählen vor allem Rechnungen von Lieferanten, kurzfristige Kredite und Steuerschulden.
Forderungen
Offene Rechnungen an Kunden für bereits erbrachte Lieferungen oder Leistungen. Es ist Geld, das dem Unternehmen zusteht, aber noch nicht eingegangen ist.
Vorräte
Umfassen Rohstoffe sowie unfertige und fertige Produkte, die im Unternehmen gelagert werden. Sie gelten als der am wenigsten liquide Teil des Umlaufvermögens, da sie erst verkauft werden müssen, um zu Geld zu werden.
Anlagen- und Umlaufvermögen
Das Vermögen eines Unternehmens teilt sich in zwei Bereiche. Das Anlagevermögen ist langfristig im Betrieb gebunden (z.B. Maschinen, Gebäude), während das Umlaufvermögen kurzfristig für den Verkauf oder Verbrauch bestimmt ist (z.B. Vorräte, Forderungen, Bankguthaben).

Weiterführendes

Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.

Mein Klärungsbogen

Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag

Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.

  • Gelten die Zielwerte von 100 % (Grad 2) und 150 % (Grad 3) auch für mein Geschäftsmodell und meine Branche?

    Je nach Geschäftsmodell (z.B. Dienstleister, Händler, Produzent) und Branche können die idealen Zielwerte für die Liquiditätsgrade stark variieren.

  • Wie wirkt sich die Aufnahme eines kurzfristigen Kredits oder die Erhöhung des Kontokorrentrahmens auf meine Kennzahlen aus?

    Ein Kredit erhöht kurzfristig die flüssigen Mittel, aber auch die Verbindlichkeiten, was zu unerwarteten Effekten bei den Kennzahlen führen kann.

  • Meine Umsätze schwanken saisonal stark – wie sollte ich die Liquiditätsgrade im Jahresverlauf interpretieren?

    Für Unternehmen mit Saisongeschäft ist eine starre Betrachtung der Kennzahlen oft irreführend, weshalb wir unterjährige Schwankungen gesondert betrachten müssen.

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