Modul
Kosten vs. Ausgaben und das Fundament der Risiko-Absicherung
Warum nicht jede Ausgabe Kosten sind – und warum unsichtbare Risiko-Kosten Unternehmer in den stillen Ruin treiben.
Bearbeitungsstand: Juni 2026
Wozu Klärungsbogen und Leseliste?
Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.
Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.
Nachdem wir den Unterschied zwischen dem Kontostand (Liquidität) und dem Gewinn (Ergebnis) geklärt haben, gehen wir im Controlling einen Schritt weiter. Um ein KMU oder eine Selbstständigkeit sicher zu steuern, müssen wir zwei Begriffe sauber trennen, die im Alltag fälschlicherweise oft als Synonyme verwendet werden: Ausgaben und Kosten.
Diese Unterscheidung ist kein theoretisches Wortspiel, sondern überlebenswichtig, wenn es darum geht, Preise richtig zu kalkulieren und existenzbedrohende Risiken nicht einfach zu vergessen.
1. Ausgaben vs. Kosten: Die begriffliche Trennung
Die Unterscheidung knüpft direkt an unsere Welten „zahlungswirksam" und „ergebniswirksam" an:
- Ausgaben (zahlungswirksam): Eine Ausgabe liegt immer dann vor, wenn Geld das Unternehmen verlässt oder sich die Verpflichtung dazu erhöht (z. B. Kauf auf Rechnung). Es verändert das Geldvermögen. Kurz gesagt: Es ist der Abfluss von Liquidität.
- Kosten (ergebniswirksam im internen Controlling): Kosten sind der betrieblich bedingte Werteverzehr in einer bestimmten Periode. Kosten fallen an, um die eigentliche Leistung des Unternehmens (Produktion oder Dienstleistung) zu erbringen.
Das klassische Missverhältnis
Nicht jede Ausgabe ist sofort eine Kostenposition, und nicht alle Kosten führen sofort zu einer Ausgabe:
- Ausgabe, aber (noch) keine Kosten: Sie kaufen im Januar Rohstoffe oder Softwarelizenzen auf Vorrat und bezahlen sofort. Das Geld ist weg (Ausgabe). Kosten entstehen aber erst in den Monaten, in denen die Rohstoffe verbraucht oder die Software genutzt wird.
- Kosten, aber keine Ausgabe: Die kalkulatorische Abschreibung (AfA) einer Maschine oder einer IT-Infrastruktur mindert Monat für Monat den Gewinn (Kosten), löst aber keinen Cent an aktuellem Geldabfluss auf dem Konto aus (keine Ausgabe).
2. Die unsichtbare Gefahr: Risiko-Kosten (kalkulatorische Wagnisse)
Ein kritischer Bereich im Controlling von KMU und Soloselbstständigen sind die sogenannten Risiko-Kosten (in der Betriebswirtschaft auch als kalkulatorische Wagnisse bezeichnet).
Das Tückische an Risiko-Kosten ist: Sie sind zunächst nicht zahlungswirksam. Es gibt keine Rechnung dafür im Posteingang. Deshalb werden sie bei der Preiskalkulation regelmäßig vergessen.
Jedes Unternehmen trägt inhärente Risiken:
- Forderungsausfälle: Ein Großkunde bezahlt seine Rechnung plötzlich nicht mehr (Insolvenz).
- Gewährleistungen / Nachbesserungen: Bei einem Dienstleister schlägt ein Software-Projekt fehl und es muss kostenfrei nachgearbeitet werden; in der Produktion gibt es eine fehlerhafte Charge.
- Anlagenrisiko: Ein Wasserschaden im Büro zerstört die Serverlandschaft.
Der Controlling-Fehler: Wer diese Risiken nicht als kalkulatorische Kostenblöcke in seine Stundensätze oder Produktpreise einrechnet, kalkuliert zu knapp. Man wirtschaftet so lange auf Verschleiß, bis das erste Risiko eintritt – und mangels finanzieller Puffer die Existenz bedroht.
3. Der blinde Fleck: Die soziale Absicherung von Selbstständigen
Besonders im Dienstleistungssektor und bei Soloselbstständigen gibt es ein oft verdrängtes Risiko: die persönliche Absicherung des Unternehmers.
Während bei Angestellten die Kosten für Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung automatisch vom Bruttogehalt abgezogen werden, muss der Selbstständige diese komplett allein tragen. Im Controlling müssen diese Positionen zwingend in den kalkulatorischen Unternehmerlohn einfließen.
Viele Selbstständige begehen jedoch folgenden Denkfehler: Sie berechnen ihre Preise basierend auf den reinen Betriebsausgaben (Büromiete, Software, Steuern) plus einem kleinen Betrag zum Leben. Vergessen werden dabei:
- Krankheits- und Ausfallrisiko: Wenn Sie als Dienstleister vier Wochen krank sind, verdienen Sie 0 Euro. Die Fixkosten laufen weiter.
- Altersvorsorge: Die Rücklagen für die Rente müssen monatlich erwirtschaftet werden.
- Berufsunfähigkeit: Was passiert, wenn Sie Ihren Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben können?
Wenn diese Absicherung nicht in die Kostenrechnung (und damit in die Preise) einfließt, ist das Unternehmen rein rechnerisch vielleicht profitabel – real lebt der Unternehmer jedoch in permanenter, ungeschützter Gefahr.
4. Von der Theorie zur Praxis: Wenn Risiken zahlungswirksam werden
Wie löst man dieses Problem im Controlling? Die gute Nachricht ist: Viele dieser kalkulatorischen Risiko-Kosten lassen sich externalisieren, indem man sie an Versicherungen überträgt.
Sobald Sie eine Versicherung abschließen, verändert sich der Charakter des Risikos im Controlling grundlegend:
- 1
Unvorhersehbares Risiko
Kalkulatorische Kosten, die in der Preisbildung oft vergessen werden – bis der Schaden eintritt.
- 2
Abschluss einer Versicherung
Das Risiko wird vertraglich an einen Dritten übertragen und in eine feste Beitragszahlung verwandelt.
- 3
Regelmäßige Prämie
Planbarer Aufwand in der monatlichen GuV – zahlungswirksame Ausgabe und ergebniswirksame Kosten in einem.
Durch den Versicherungsbeitrag (z. B. für eine Cyber-Versicherung, Betriebshaftpflicht, Berufsunfähigkeitsversicherung oder Krankentagegeld) wird das unkalkulierbare Risiko in eine feste, planbare Ausgabe verwandelt.
- Vorteil: Das Risiko ist nun schwarz auf weiß als Beleg vorhanden. Es taucht in der BWA auf, wandert automatisch in die Kostenrechnung und wird somit ganz natürlich bei den Kundenpreisen berücksichtigt.
- Controlling-Effekt: Sie tauschen das existenzbedrohende Risiko eines plötzlichen, massiven Liquiditätseinbruchs gegen eine kalkulierbare, regelmäßige und zahlungswirksame Betriebsausgabe.
Fazit für die Praxis
Erfolgreiches Controlling blickt in die Zukunft. Wer nur Ausgaben erfasst, sieht das Risiko erst, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Erst die bewusste Einplanung von Risiko-Kosten und der sozialen Absicherung schützt ein Unternehmen vor dem plötzlichen Aus. Ob Sie diese Risiken über Rücklagen (kalkulatorische Kosten) oder über Versicherungen (zahlungswirksame Ausgaben) absichern, ist eine strategische Entscheidung – sie überhaupt nicht zu berücksichtigen, ist jedoch ein kalkulatorisches Blindflug-Risiko.
Haben Sie für Ihr Unternehmen bereits analysiert, welche Ihrer betrieblichen Risiken kosteneffizienter über Versicherungen (als feste Ausgaben) abgedeckt sind und für welche Risiken Sie stattdessen interne Rücklagen bilden müssen?
Weiterführend
FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Ausgaben
- Eine Ausgabe bezeichnet den Abfluss von Zahlungsmitteln oder die Erhöhung von Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Sie verringert das Geldvermögen und ist somit rein zahlungswirksam, ohne direkt etwas über den wirtschaftlichen Erfolg auszusagen.
- Kosten
- Kosten sind der bewertete, betrieblich bedingte Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen in einer Abrechnungsperiode. Sie sind die Grundlage der Preiskalkulation und entscheidend für die Ermittlung des Betriebsergebnisses.
- Kalkulatorische Abschreibung (AfA)
- Dies sind fiktive Kosten, die den Wertverlust von Anlagevermögen (z.B. Maschinen, Fahrzeuge) über die Zeit abbilden. Obwohl kein Geld abfließt, müssen sie in der Preiskalkulation berücksichtigt werden, um zukünftige Ersatzinvestitionen finanzieren zu können.
- Kalkulatorische Wagnisse
- Damit preist ein Unternehmen allgemeine Geschäftsrisiken (z.B. Forderungsausfälle, Gewährleistungen) in seine Kosten ein, für die keine Versicherung besteht. Es ist eine rein rechnerische Größe zur Vorsorge für mögliche zukünftige Verluste.
- Kalkulatorischer Unternehmerlohn
- Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften ist dies der Lohnansatz für die Arbeitsleistung des Unternehmers, da er sich kein Gehalt im angestellten Sinne zahlen kann. Dieser Posten muss auch die privaten Vorsorgeaufwendungen (z. B. Krankenversicherung, Rente) abdecken.
- BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung)
- Die BWA ist ein monatlicher Bericht, der die Ertragslage eines Unternehmens auf Basis der Finanzbuchhaltung darstellt. Sie dient als kurzfristiges Instrument zur Erfolgskontrolle, ist aber nicht mit der detaillierten Kostenrechnung des internen Controllings zu verwechseln.
- Liquidität
- Liquidität bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen fälligen Zahlungsverpflichtungen jederzeit uneingeschränkt nachkommen zu können. Sie wird durch den Bestand an flüssigen Mitteln (Kassenbestand, Bankguthaben) sichergestellt.
Weiterführendes
Magazin
Die Rolle des Spekulanten in jeder Gesellschaft: Logistiker in der ZeitNachdem Sie die Wichtigkeit von Risiko-Kosten verstanden haben, liefert dieser Beitrag das ökonomische Fundament. Er erklärt, warum die Übernahme und Steuerung von Risiken eine zentrale, wertschöpfende Unternehmerfunktion ist.
Magazin
Controlling als ständige Hypothesenprüfung: Was Unternehmen von der Wissenschaft lernen und warum Ihr Controlling ein Erkenntnisprozess ist.Dieser Beitrag vertieft den Controlling-Gedanken und zeigt, wie Sie über die reine Zahlenerfassung hinauskommen. Lernen Sie, Ihr Controlling als Werkzeug zur permanenten Überprüfung von Geschäfts-Hypothesen zu nutzen, um fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Magazin
Ihr persönlicher Staatsquoten-GedenktagDer Artikel warnt davor, die eigene soziale Absicherung in der Kalkulation zu vergessen. Mit dem hier vorgestellten Rechner können Sie die Belastung durch Steuern und Abgaben quantifizieren und ermitteln, ab wann Sie faktisch für Ihr eigenes Portemonnaie wirtschaften.
Magazin
Die steuerliche Forschungszulage: Ein Motor für Innovation und vor allem Liquidität – Chancen und Risiken für Unternehmer und SelbstständigeEin finanzieller Puffer ist die beste Absicherung gegen Risiken, die nicht versicherbar sind. Dieser Artikel stellt mit der steuerlichen Forschungszulage einen wirksamen Hebel vor, um die Liquidität als Risikopuffer im Unternehmen zu stärken.
Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.
Mein Klärungsbogen
Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag
Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.
Wie passe ich meine Preisstruktur konkret an, um alle Kostenarten zu decken?
Ich möchte einen Fahrplan, um meine bestehenden Preise neu zu kalkulieren und die Risiko-Kosten zu integrieren.
Welche Kennzahlen brauche ich, um Liquidität und Gewinn getrennt zu überwachen?
Ich will ein einfaches Dashboard aufbauen, um sowohl meinen Kontostand als auch die tatsächliche Profitabilität im Blick zu behalten.
Für welche Risiken sollte ich eher eine Rücklage bilden statt eine Versicherung abzuschließen?
Ich möchte eine fundierte Entscheidung treffen, welche Risiken ich selbst trage und welche ich kosteneffizient auslagere.
Feedback
War dieser Beitrag hilfreich?
Kontakt
Interesse? Schreiben Sie uns.
Fragen zum Controlling-Modul „Kosten vs. Ausgaben und das Fundament der Risiko-Absicherung"? Schreiben Sie uns – wir antworten persönlich.
