Grundmodul · Branchen-Linse: Transport über 3,5 t
Unternehmenskauf: Eine Alternative zur Gründung?
Unternehmenskauf ist eine Alternative zur Gründung. Der Unternehmenskauf hat Vor- und Nachteile. Ein kleiner Überblick über diesen Weg in die Selbstständigkeit.
Bearbeitungsstand: Juni 2026
Wozu Klärungsbogen und Leseliste?
Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.
Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.
Das 1×1 der Gründung – Unternehmenskauf: Eine Alternative zur Gründung?

Wer über eine Selbstständigkeit nachdenkt, sollte den Kauf eines bestehenden Unternehmens als gleichwertige Option prüfen. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Ihren Zielen, Ihrer Risikobereitschaft und der gefundenen Firma ab. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Argumente, Fallstricke und Vorgehensschritte ein.
Auf einen Blick
- Der Kauf eines Unternehmens kann den Start beschleunigen – Strukturen, Kunden und Bekanntheit sind bereits vorhanden.
- Mit dem Unternehmen übernehmen Sie auch dessen Vorgeschichte und damit alle Risiken.
- Die Wahrscheinlichkeit zu scheitern ist bei Kauf und Neugründung in etwa gleich hoch.
- Eine bessere Bankenfinanzierung allein durch den Kauf ist ein Mythos – entscheidend bleibt die Qualität von Firma und Person.
- Eine Sonderform ist das Management Buy-Out (MBO), bei dem Sie Ihren bisherigen Arbeitgeber oder einen Teil davon übernehmen.
Was für den Unternehmenskauf spricht
Für den Kauf eines Unternehmens sprechen vor allem zwei harte Faktoren:
- Sie starten mit einer funktionierenden Betriebsorganisation und allen notwendigen Strukturen.
- Die Firma hat bereits Kunden, Lieferanten und eine etablierte Bekanntheit am Markt.
Der Kauf macht also auf den ersten Blick vieles einfacher. Allerdings ist der Kauf von Unternehmen alles andere als einfach. Das gekaufte Unternehmen hat eine Vorgeschichte. Sie kaufen damit immer auch alle Risiken mit, die in dieser Vorgeschichte stecken. Diese Risiken müssen sorgfältig ausgeschlossen werden – und dafür müssen sie überhaupt erst bekannt sein. Diese Aufgabe ist meist nur von Fachleuten zu leisten, die selten günstig sind.
Die Wahrscheinlichkeit zu scheitern ist übrigens bei einer Neugründung genauso hoch wie bei einem Unternehmenskauf. Der Grund ist einfach: Die Gründerin oder der Gründer durchläuft den gleichen unternehmerischen Lernprozess, unabhängig davon, ob gekauft oder gegründet wird.
Der Bankenmythos: Kauf bringt nicht automatisch ein besseres Rating
Als Argument für den Kauf wird häufig ein besseres Rating bei den Banken und damit eine einfachere Finanzierung angeführt. Dieses Argument ist fast immer falsch. Das Rating hängt von der Qualität der gekauften Firma und der Qualität des Käufers ab. Eine schlechte Firma in Verbindung mit einem schlechten Rating wird eben nicht finanziert. Eine schlechte Firma mit einem guten Konzept hingegen kann durchaus eine Option für eine Bank sein. Pauschalurteile helfen hier nicht – jeder Fall ist einzeln zu bewerten.
Reihenfolge der Klärungsschritte beim Kauf
Eine wirklich brauchbare Checkliste zum Kauf eines Unternehmens gibt es nicht – dafür ist das Thema zu komplex. Die meisten verfügbaren Checklisten sind eher für Steuerberater und Anwälte gedacht. Im Rahmen der Offensive Mittelstand wurden Leitfäden erarbeitet, die als Arbeitsliste und Impulsgeber dienen können.
Wichtig sind in jedem Fall folgende Faktoren – und zwar in dieser Reihenfolge:
- Eigene Motivation klären
- Kundengewinnungs- und Marketingkonzept entwickeln
- Geeignete Unternehmen suchen, anonym aus der Ferne bewerten und eine eigene Fragenliste erstellen
- Vertrauliche Ansprache der Alteigentümer, gegebenenfalls über einen Berater
- Ausstiegsvoraussetzungen der Alteigentümer klären und mit den eigenen Vorstellungen abgleichen
- Mögliche Unterstützung durch die Alteigentümer klären

Management Buy-Out: Übernahme des eigenen Arbeitgebers
Eine Sonderform des Unternehmenskaufs ist die Übernahme des aktuellen Arbeitgebers. Diese Konstellation wird als Management Buy-Out (MBO) bezeichnet.
Wenn der Arbeitgeber sich von Ihrer Abteilung oder von der ganzen Firma trennen möchte, ergeben sich oft sehr gute Möglichkeiten. Das Risiko für den Kauf ist relativ gering: Als Interner kennen Sie Details, Kunden und Prozesse. Sie sind mit den Gegebenheiten vertraut – es kann nur wenig Unerwartetes passieren.
Allerdings sind auch die Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeiter anschließend mit im Boot. Diese behalten ihre Kündigungsschutzregeln. Die Finanzierung ist häufig einfacher, weil die Verkäuferseite oft einen Teil der Finanzierung mitträgt. An solche Verkäuferdarlehen sind aber meist Zusagen geknüpft. Überlegen Sie sich daher genau, wie sich Ihre Firma entwickeln soll und ob die Kapitalgeber dieses Konzept mittragen werden.
Unternehmensbörsen: nützlich, aber nur ein Teil des Marktes
Unternehmensbörsen haben ein grundsätzliches Problem: Steht ein Unternehmen dort zum Verkauf, weiß es jeder – Mitarbeiter, Kunden und Wettbewerber. Damit sinkt der Wert des Unternehmens. Aus diesem Grund sind viele Angebote bewusst nicht in den klassischen Unternehmensbörsen gelistet.
Zwei etablierte Anlaufstellen sind:
- nexxt-change – getragen von IHK und Sparkassen
- Deutsche Unternehmerbörse (DUB) – vom Handelsblatt
Unternehmensbewertung: Verfahren überschätzt, Verhandlung unterschätzt
Über die Bewertung von Unternehmen ist mehr geschrieben worden als über fast jedes andere kaufmännische Thema. Es gibt zahllose Bewertungsansätze, die Substanz, Gewinne oder Chancen und Risiken bewerten. Der Grund dafür ist einfach: Käufer und Verkäufer haben eine völlig unterschiedliche Wahrnehmung des Wertes.
Der Verkäufer meint immer, etwas Wertvolles zu verkaufen. Der Käufer hat Angst vor den gekauften Risiken.
Niemand kann in die Zukunft sehen. Die Risiken sind immer vorhanden – sei es, dass Umsatzsteuer wegen eines Rechnungsfehlers nicht korrekt abgeführt wurde, Scheinselbstständige in einem Projekt beschäftigt waren oder die Künstlersozialkasse für die Erstellung des Logos nicht korrekt bezahlt wurde. Ob aus diesen Risiken später Kosten werden, weiß im Voraus niemand.
Gegen einige Risiken können Sie sich vertraglich absichern. Das führt allerdings teilweise zu neuen Risiken.
Alle anderen Risiken, aber auch die Werte und Chancen müssen sich im Kaufpreis abbilden. Dass dies objektiv nie vollständig möglich sein wird, ist jedem unternehmerisch Denkenden sofort klar. Wir warnen daher vor einer Überbewertung der Bewertungsverfahren und empfehlen stattdessen, mehr Wert auf die Verhandlungsstrategie zu legen. Je weniger die Firma kostet, umso besser für den Käufer.
Leitfäden der Offensive Mittelstand
Die Offensive Mittelstand hat zum Thema Unternehmensnachfolge eine Umsetzungshilfe erarbeitet, die Käufern und Verkäufern Orientierung gibt: Umsetzungshilfe Unternehmensnachfolge.
Wir haben an dieser Umsetzungshilfe als Partner und als Mitglied der Arbeitsgruppen mitgewirkt.
Unsere Empfehlung
Behandeln Sie den Unternehmenskauf nicht als Abkürzung, sondern als gleichwertige Variante zur Neugründung. Klären Sie zuerst Ihre Motivation und Ihr Geschäftsmodell. Erst danach lohnt sich die Suche nach geeigneten Unternehmen. Setzen Sie weniger auf Bewertungsformeln und mehr auf eine saubere Verhandlung – inklusive vertraglicher Risikoabsicherung. Und holen Sie sich für die rechtlichen und steuerlichen Detailfragen frühzeitig fachliche Begleitung. Wir unterstützen Sie gern bei der unternehmerischen Einordnung und der Strukturierung des Kaufprozesses.
Branchen-Spezial · Transport über 3,5 t
Unternehmenskauf statt Neugründung über 3,5 t
In dieser Klasse ist der Kauf oft attraktiver als die Neugründung, weil Sie die Güterkraftverkehrserlaubnis, einen eingespielten Fuhrpark, bestehende Frachtverträge und etablierte Kundenbeziehungen übernehmen. Banken und Leasinggeber sehen einen laufenden Betrieb anders als einen Startversuch ohne Historie.
Die typischen Risiken eines Transport-Kaufs:
- Maut-Nachforderungen, fehlerhafte Lenkzeit-Aufzeichnungen, ausstehende BAG-Verfahren.
- Scheinselbstständigkeit bei beschäftigten Fahrern und Sub-Unternehmern – führt zu Nachzahlung aller Sozialabgaben für bis zu vier Jahre.
- Schäden an Fahrzeugen, anstehende Hauptuntersuchungen, abgelaufene Tachograph-Eichungen.
- Übergehende Kündigungsschutzregeln nach § 613a BGB.
Eine Sonderform ist der MBO – die Übernahme des bisherigen Arbeitgebers. Risiken sind geringer (Sie kennen die Prozesse), die Finanzierung wird oft einfacher (Verkäuferdarlehen). Unternehmensbörsen wie nexxt-change oder die DUB sind nur ein Teil des Marktes – viele Transportunternehmen werden vertraulich verkauft, weil ein offener Verkauf den Wert drückt.
Warum sehe ich diesen Abschnitt?
Auf der Hub-Übersicht ist die Branchen-Linse Transport über 3,5 t aktiv (oder Sie sind über einen Branchen-Link auf dieses Modul gekommen). Dadurch wird dieser branchen-spezifische Block zusätzlich zum Grundmodul eingeblendet. Linse entfernen.
Weiterführend
FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Unternehmenskauf
- Erwerb eines bestehenden Unternehmens oder seiner wesentlichen Vermögenswerte (Asset Deal) bzw. seiner Anteile (Share Deal) durch eine neue Eigentümerin oder einen neuen Eigentümer.
- Management Buy-Out (MBO)
- Sonderform des Unternehmenskaufs, bei der das bestehende Management oder eine leitende Angestellte das Unternehmen oder einen Teilbereich vom bisherigen Eigentümer übernimmt.
- Due Diligence
- Systematische Prüfung eines Kaufobjekts auf rechtliche, steuerliche, finanzielle und operative Risiken vor Vertragsabschluss. Das Ergebnis fließt in Kaufpreis und Garantien ein.
- Rating
- Bewertung der Bonität eines Unternehmens oder einer Person durch die Bank. Bestimmt Konditionen und Zugang zur Finanzierung. Hängt von Firmenqualität und Qualität der handelnden Person ab – nicht davon, ob gekauft oder gegründet wurde.
- Verkäuferdarlehen
- Teil des Kaufpreises wird vom Verkäufer gestundet und über einen vereinbarten Zeitraum vom Käufer zurückgezahlt. Häufig bei MBO und Nachfolgeregelungen, oft an Bedingungen geknüpft.
- Asset Deal
- Kaufvariante, bei der einzelne Vermögensgegenstände, Verträge und Mitarbeiter übernommen werden – nicht der Rechtsträger als Ganzes. Reduziert das Risiko unbekannter Altlasten.
- Share Deal
- Kaufvariante, bei der die Anteile der Gesellschaft (z. B. GmbH-Geschäftsanteile) übergehen. Käufer übernimmt damit das gesamte Unternehmen inklusive aller bekannten und unbekannten Verbindlichkeiten.
- Offensive Mittelstand
- Bundesweite Initiative für gutes Management in kleinen und mittleren Unternehmen, in der Peter Saubert seit Jahren als Partner und Mitglied der Arbeitsgruppen mitwirkt.
- Unternehmensbörse
- Online-Plattform, auf der zum Verkauf stehende Unternehmen und Nachfolgeangebote inseriert werden. Bekannte Beispiele: nexxt-change (IHK/Sparkassen) und DUB (Handelsblatt).
Weiterführendes
Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.
Mein Klärungsbogen
Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag
Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.
Welche konkreten Risiken aus der Vergangenheit übernehme ich mit dem Kauf?
Der Artikel nennt Beispiele wie Fehler bei der Umsatzsteuer, Scheinselbstständigkeit oder nicht abgeführte Sozialabgaben.
Warum muss ich meine Motivation klären, bevor ich überhaupt nach einer passenden Firma suche?
Die Reihenfolge der Klärungsschritte ist entscheidend für den Erfolg des Kaufs und die langfristige Ausrichtung.
Welche neuen Risiken können entstehen, wenn ich versuche, mich vertraglich gegen alte Risiken abzusichern?
Der Beitrag weist darauf hin, dass die vertragliche Absicherung von Risiken ihrerseits neue, unerwartete Risiken schaffen kann.
Feedback
War dieser Beitrag hilfreich?
Kontakt
Interesse? Schreiben Sie uns.
Fragen zum Modul „Unternehmenskauf: Eine Alternative zur Gründung?"? Schreiben Sie uns – wir antworten persönlich.
