Grundmodul
Finanzplanung
Kurzüberblick zur Finanzplanung für Gründer: Liquiditäts-, Erfolgs-, Investitionsplanung und Planbilanz, Zahlungs- vs. Ergebniswirksamkeit, AfA.
Wozu Klärungsbogen und Leseliste?
Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.
Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.
Welche Finanzplanung Sie wirklich machen müssen, ergibt sich aus der Rechtsform und Ihrer Finanzierung. Typische Komponenten einer Finanzplanung sind:
- Liquiditätsplanung
- Erfolgsplanung – für kleine Personengesellschaften und Freiberufler die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR), für Kapitalgesellschaften die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
- Investitionsplanung
- Planbilanz
Dieser Beitrag erklärt die Grundbegriffe. Für die Tiefe der Buchhaltung und Finanzplanung informieren Sie sich an anderer Stelle oder fragen Sie ein Coaching an.
Zahlungswirksamkeit vs. Ergebniswirksamkeit
Der Unterschied zwischen Zahlungswirksamkeit und Ergebniswirksamkeit ist für Selbstständige und Unternehmen wichtig – beides wirkt sich direkt auf die finanzielle Gesundheit des Unternehmens aus.
Zahlungswirksamkeit
Eine Zahlung ist zahlungswirksam, wenn tatsächlich Geld fließt – als Einnahme (Kunde bezahlt eine Rechnung) oder als Ausgabe (Sie begleichen eine Lieferantenrechnung).
Zahlungen wirken sich direkt auf den Kontostand des Unternehmens aus. Der Kontostand wird manchmal als Cash-Bestand bezeichnet. Die Fähigkeit, Ausgaben tatsächlich überweisen zu können, nennen wir Liquidität. Zahlungswirksame Einnahmen sind entscheidend für die kurzfristige Zahlungsfähigkeit.
Die Summe aller Geldzu- und -abflüsse ist der Cashflow – also die Änderung Ihres Kontostandes.
Ergebniswirksamkeit
Ergebniswirksam bedeutet, ein Vorgang verändert Ihr Vermögen. Beim Kauf eines Computers tauschen Sie Geld gegen einen Computer – am Vermögen ändert sich nichts. Erst Vorgänge, die das Vermögen verändern, sind ergebniswirksam. Die Vermögensänderung ist das Betriebsergebnis: Ihr Gewinn oder Verlust.
Auf Basis des Betriebsergebnisses werden Ihre Leistungssteuern (Einkommen-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer) ermittelt.
Beispiel
Sie stellen eine Ausgangsrechnung für eine Dienstleistung:
- Zahlungswirksam wird die Rechnung erst, wenn der Kunde zahlt und das Geld auf Ihr Konto fließt.
- Ergebniswirksam ist sie in der GuV bereits mit dem Ausstellen – als Umsatz und damit als Gewinn. In der EÜR wird der Betrag erst mit der Zahlung ergebniswirksam.
AfA – Absetzung für Abnutzung
Kaufen Sie einen Computer für Ihr Unternehmen, verliert dieser im Laufe der Zeit an Wert. Der Kauf ist zunächst zahlungswirksam, aber nicht ergebniswirksam – Sie tauschen Geld gegen einen anderen Vermögensgegenstand. Der spätere Wertverlust ist dagegen nicht zahlungswirksam, aber ergebniswirksam. Diesen Wertverlust nennen wir AfA.
Die AfA ist eine nicht zahlungswirksame Kostenposition für angeschaffte Wirtschaftsgüter. Sie ermöglicht es, die Kosten über einen bestimmten Zeitraum steuerlich geltend zu machen und Rücklagen für die Ersatzbeschaffung zu bilden.
Es gibt eine lineare und eine degressive AfA. Die lineare AfA = Kaufpreis ÷ Nutzungsdauer. Für die Nutzungsdauern gibt es Listen des Finanzamts, die in der Regel bindend sind. Mit der AfA lassen sich Steuerlasten zeitlich verschieben.
Investitionsplanung
Eine Investitionsplanung sollten Sie immer machen. Sie listet die geplanten Investitionen in Anlagegüter zusammen mit der AfA – und ist deshalb oft schnell fertig.
Achtung: Investitionen sind nicht alle großen Ausgaben, sondern nur der Kauf von Wertgegenständen (Auto, Maschinen, Anlagen, Immobilien), die Sie prinzipiell auch verkaufen könnten. Werbung ist keine Investition.
Liquiditätsplanung (Cash-Planung)
Eine Liquiditätsplanung sollte immer gemacht werden. Besonders kritisch ist sie für zyklische Geschäfte – Bau, Touristik, Saisongeschäfte. Während das Geschäft hochfährt, ist die Anspannung hoch. Nach der Saison ist oft viel Geld auf dem Konto. Daraus leiten Selbstständige und Unternehmer fälschlich ab, sie hätten Geld zum Ausgeben. Diese Unternehmen scheitern dann häufig im nächsten Hochlauf.
Wenn Sie Ihr Unternehmen nach dem Kontostand führen, werden Sie mit zyklischen Geschäften immer scheitern.
Eine Liquiditätsplanung stellt alle Zahlungen in zeitlicher Reihenfolge dar, sodass daraus der Kontostand abgeleitet werden kann.
Weiterführend
FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Einnahmenüberschussrechnung (EÜR)
- Eine vereinfachte Methode zur Gewinnermittlung für Freiberufler und kleine Unternehmen. Hier werden die Betriebseinnahmen den Betriebsausgaben gegenübergestellt, wobei der Zeitpunkt des Geldflusses (Zufluss-Abfluss-Prinzip) entscheidend ist.
- Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
- Die GuV ist ein zentraler Bestandteil des Jahresabschlusses für Kapitalgesellschaften. Sie stellt Erträge und Aufwendungen einer Periode gegenüber, um den Gewinn oder Verlust zu ermitteln, unabhängig vom Zahlungszeitpunkt.
- Cashflow
- Der Cashflow (Geldfluss) bezeichnet den Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben innerhalb eines Zeitraums. Er ist ein wesentlicher Indikator für die Liquidität und die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens.
- Betriebsergebnis (EBIT)
- Das Betriebsergebnis, oft als EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) bezeichnet, misst den operativen Gewinn eines Unternehmens vor Abzug von Zinsen und Steuern. Es zeigt die reine Leistungsfähigkeit des Kerngeschäfts.
- Planbilanz
- Die Planbilanz ist eine prognostizierte Darstellung des Vermögens und der Schulden zu einem zukünftigen Zeitpunkt. Sie zeigt auf, wie sich die geplanten Geschäftsaktivitäten auf die finanzielle Struktur des Unternehmens auswirken.
- Anlagevermögen
- Umfasst alle Vermögensgegenstände, die dem Unternehmen langfristig dienen, wie Grundstücke, Maschinen oder Lizenzen. Diese werden über die Zeit abgeschrieben (AfA) und sind Basis der Investitionsplanung.
- Liquidität
- Bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, seine fälligen Zahlungsverpflichtungen jederzeit erfüllen zu können. Eine mangelnde Liquidität ist einer der häufigsten Gründe für eine Unternehmensinsolvenz.
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Mein Klärungsbogen
Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag
Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.
Wie hängen Liquiditäts-, Erfolgs-, und Investitionsplanung zusammen?
Ich will verstehen, wie diese Teilpläne ein komplettes Bild der Unternehmensfinanzen ergeben und welche Abhängigkeiten es gibt.
Was ist der Minimalumfang einer Finanzplanung für meine Gründung?
Ich möchte mich für den Start auf die Planung konzentrieren, die für Banken und den Geschäftsbetrieb unerlässlich ist.
Welche Kennzahlen aus meiner Finanzplanung sind für die Bank entscheidend?
Ich möchte meine Finanzplanung so aufbereiten, dass sie die Fragen eines Finanzierungspartners überzeugend beantwortet.
Welche typischen Fehler bei der Finanzplanung sollte ich vermeiden?
Ich möchte aus den Erfahrungen anderer Unternehmer lernen, um die häufigsten und teuersten Stolpersteine von Anfang an zu umgehen.
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