Grundmodul
Standort und Wirkungskreis im Businessplan
Warum Standortanalyse, Baurecht und geografischer Wirkungskreis Ihren Businessplan bei Banken und Arbeitsagentur entscheiden.
Wozu Klärungsbogen und Leseliste?
Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.
Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.
Nicht jede Branche muss sich intensiv mit der Wahl des perfekten Standorts auseinandersetzen. Für einen reinen Online-Dienstleister oder Softwareentwickler reicht oft ein Schreibtisch im Homeoffice. Doch sobald Ihr Geschäftsmodell von physischer Präsenz lebt – wie im Handel, der Gastronomie, im Handwerk oder bei ortsgebundenen Dienstleistungen –, wird die Standortanalyse zu einem der wichtigsten Bausteine Ihres Businessplans.
Gleichzeitig gibt es eine zweite Komponente, die jeden Gründer betrifft: der Wirkungskreis. Hier geht es darum, wohin Sie liefern und wo Ihre Kunden sitzen. Beide Faktoren entscheiden maßgeblich darüber, ob Banken Sie finanzieren und ob Sie staatliche Förderungen erhalten.
Der Standort ist weit mehr als eine Postadresse auf dem Briefkopf. Er bestimmt Ihre rechtlichen Grenzen, Ihre Kundenreichweite und steuert maßgeblich das Risiko, das eine Bank mit Ihrer Finanzierung eingeht.
Hier erfahren Sie, wie Sie Standort und Wirkungskreis in Ihrem Businessplan präzise herleiten und rechtliche sowie finanzielle Fallstricke vermeiden.
1. Standortrelevante Branchen: Die Jagd nach der Laufkundschaft
Wenn Ihr Geschäft darauf angewiesen ist, dass Menschen spontan zur Tür hereinspazieren (z. B. Boutique, Café, Friseursalon), müssen Sie eine harte Standortanalyse vorlegen. Behauptungen wie „Die Lage ist schön" reichen nicht aus.
Nutzen Sie messbare Kriterien und etablierte Werkzeuge:
- Passantenfrequenz: Wie viele Menschen laufen zu den Hauptgeschäftszeiten tatsächlich an Ihrem Laden vorbei? Es gibt professionelle Tools, Frequenzdaten und Zählungen (z. B. von Maklerverbänden oder der IHK), die Sie hier als Beweis anführen können.
- Erreichbarkeit und Parkplätze: Können Kunden Sie bequem mit dem Auto oder dem ÖPNV erreichen? Gibt es Barrieren?
- Kaufkraft und Demografie: Passt das Einkommensniveau und das Alter der Anwohner in diesem Viertel zu Ihren Preisen und Ihrer Zielgruppe?
2. Gesetzliche Rahmenbedingungen: Gewerbegebiet vs. Wohngebiet
Ein grober Fehler in vielen Businessplänen ist das Ignorieren des Baurechts. Sie können nicht einfach jede Tätigkeit an jedem beliebigen Ort ausüben. Wenn Ihr Betrieb Lärm, Gerüche oder starken Lieferverkehr verursacht (z. B. eine Kfz-Werkstatt, eine Tischlerei oder ein Produktionsbetrieb), setzen Ihnen die gesetzlichen Rahmenbedingungen enge Grenzen.
Erklären Sie im Businessplan genau, dass Sie die Vorgaben der Baunutzungsverordnung (BauNVO) verstanden haben:
- Reines/Allgemeines Wohngebiet: Hier sind laute Gewerbebetriebe komplett ausgeschlossen.
- Mischgebiet: Erlaubt Wohnen und nicht störendes Gewerbe nebeneinander.
- Gewerbe- oder Industriegebiet: Hier gehören Betriebe hin, die im Alltag „Lärm und Krach" machen.
Weisen Sie im Text darauf hin, dass für das gewählte Objekt die entsprechende Gewerbenutzung erlaubt ist oder eine Nutzungsänderung bereits beantragt wurde. Das zeigt dem Banker, dass der Betrieb nicht am ersten Tag wegen einer Behördenbeschwerde geschlossen wird.
3. Der Wirkungskreis: Geografisch und politisch gedacht
Der Wirkungskreis beschreibt, in welchem geografischen Radius Sie Ihre Umsätze generieren. Liefern Sie lokal, regional, deutschlandweit oder international? Sobald Sie die deutschen Grenzen überschreiten, schaut der Banker extrem genau hin.
Warum der internationale Wirkungskreis für Banken ein Risiko ist:
Banken betreiben ein striktes Risikomanagement und müssen internationale Compliance-Regeln einhalten. Wenn aus Ihrem Businessplan hervorgeht, dass Sie Geschäftsbeziehungen in politisch instabile oder sanktionierte Länder pflegen, ist das für die meisten Banken ein sofortiges Ausschlusskriterium („No-Go").
Aber auch scheinbar unbedenkliche Länder wie die USA können bei Banken die Alarmglocken schrillen lassen. Der Grund hierfür sind die extrem strengen amerikanischen Produkthaftungsgesetze. Ein kleiner Fehler an einem exportierten Produkt kann in den USA zu Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe führen. Wenn Sie in solche Märkte liefern wollen, müssen Sie im Businessplan sofort erklären, wie Sie dieses Risiko absichern (z. B. durch spezielle internationale Betriebshaftpflichtversicherungen).
4. Der Wirkungskreis und der Gründungszuschuss
Wenn Sie aus der Arbeitslosigkeit (ALG I) heraus gründen und den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit beantragen, gelten harte Regeln bezüglich Ihres Wirkungskreises und Ihres Unternehmenssitzes.
- Das deutsche Wirtschaftsgebiet: Um den Gründungszuschuss zu erhalten, muss der Schwerpunkt Ihrer selbstständigen Tätigkeit und der steuerliche Sitz Ihres Unternehmens zwingend in Deutschland liegen.
- Lieferung ins deutsche Mehrwertsteuergebiet: Ihre Geschäftstätigkeit muss darauf ausgerichtet sein, einen Beitrag zur deutschen Wirtschaft zu leisten. Wenn Sie Ihr Unternehmen rein formal in Deutschland anmelden, aber das eigentliche operative Geschäft, die Rechnungsstellung und die Leistungserbringung komplett im Ausland stattfinden und Sie nicht in das deutsche Umsatzsteuergebiet liefern, riskieren Sie die Ablehnung des Zuschusses. Die fachkundige Stelle, die Ihren Plan prüft, wird genau darauf achten, ob die Umsätze im deutschen Steuerraum steuerbar sind.
Fazit
Die Kapitel Standort und Wirkungskreis erden Ihren Businessplan in der Realität. Indem Sie nachweisen, dass Ihr Standort die richtige Frequenz bietet, die baurechtlichen Zonen eingehalten werden und Ihr Wirkungskreis weder die Compliance-Richtlinien der Bank verletzt noch die Förderkriterien der Arbeitsagentur gefährdet, schaffen Sie Vertrauen. Sie zeigen dem Leser, dass Sie die rechtlichen und geografischen Spielregeln des Marktes vollkommen beherrschen.
Weiterführend
FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Baunutzungsverordnung (BauNVO)
- Die Baunutzungsverordnung ist eine deutsche Rechtsverordnung, die festlegt, welche Arten von baulichen Nutzungen in bestimmten Gebieten (z. B. Wohn-, Misch- oder Gewerbegebieten) zulässig sind. Sie ist entscheidend dafür, ob ein Gewerbebetrieb an einem geplanten Standort überhaupt erlaubt ist.
- Passantenfrequenz
- Dieser Kennwert misst die Anzahl der Personen, die innerhalb eines Zeitraums an einem Geschäftsstandort vorbeigehen. Er ist ein wichtiger Indikator für das Kundenpotenzial im stationären Handel und in der Gastronomie.
- Wirkungskreis
- Der Wirkungskreis definiert den geografischen Raum, in dem ein Unternehmen hauptsächlich seine Kunden akquiriert und Umsätze erzielt. Er kann lokal, regional oder international sein und hat Auswirkungen auf Logistik, Marketing und rechtliche Rahmenbedingungen.
- Kaufkraft
- Die Kaufkraft beschreibt das für Konsumzwecke verfügbare Einkommen der Bevölkerung in einer bestimmten Region. Sie ist ein entscheidender Faktor, um das Absatzpotenzial eines Standorts für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen zu bewerten.
- Compliance
- Compliance bezeichnet die Einhaltung von gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben. Banken prüfen die Compliance eines Geschäftsmodells, um beispielsweise auszuschließen, dass Geschäftsbeziehungen in politisch instabile oder sanktionierte Länder bestehen.
- Fachkundige Stelle
- Eine fachkundige Stelle ist eine Institution (z. B. IHK, Handwerkskammer), die die Tragfähigkeit einer Geschäftsidee prüft. Ihr positives Votum ist eine zwingende Voraussetzung zur Beantragung des Gründungszuschusses bei der Agentur für Arbeit.
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Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.
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