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Grundmodul

Unternehmensleitbild und Unternehmerziele im Businessplan

Warum ein Hochglanz-Leitbild optional ist, klare Unternehmerziele aber Pflicht: Wie Sie Ihre Ziele so formulieren, dass der Banker Risiko und Skalierung seriös einschätzen kann.

Wozu Klärungsbogen und Leseliste?

Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.

Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.

Wie „Meins" funktioniert

Inhalt

Manche Gründer verbringen Wochen damit, hochtrabende Visionen und Werte für ihr neues Unternehmen aufzuschreiben. Sie entwerfen ein „Unternehmensleitbild", das klingt, als stamme es aus der Marketingabteilung eines DAX-Konzerns. Unter bestimmten Rahmenbedingungen – etwa wenn Sie direkt mit einem größeren Team starten oder eine starke, werteorientierte Marke aufbauen wollen – macht ein solches Leitbild durchaus Sinn.

Doch machen wir uns nichts vor: Nicht jedes frisch gegründete Unternehmen benötigt sofort ein ausformuliertes Leitbild. Was den Banker bei Ihrer Finanzierung dagegen immer brennend interessiert, sind Ihre ganz konkreten Ziele als Unternehmer.

Ein Hochglanz-Leitbild nützt Ihnen gar nichts, wenn der Banker nicht versteht, ob Sie morgen als selbstständiger Handwerker Ihre eigene Familie ernähren oder in fünf Jahren eine Aktiengesellschaft mit 100 Mitarbeitern leiten wollen. Klarheit über Ihre Ziele schlägt jede PR-Phrase.

Peter SaubertUnternehmensberater

Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr Leitbild und Ihre Ziele so formulieren, dass der Banker genau versteht, was Sie vorhaben, und Ihr Risiko richtig einschätzen kann.

1. Das Unternehmensleitbild: Sinnvoll, aber kein Muss

Ein Unternehmensleitbild beschreibt die Identität Ihres Unternehmens. Es beantwortet drei grundlegende Fragen:

  • Wer sind wir? – Ihre Identität und Kernkompetenz.
  • Was treibt uns an? – Ihre Werte und Ihre Philosophie.
  • Wo wollen wir hin? – Ihre langfristige Vision.

Wenn Sie ein Leitbild in Ihren Businessplan integrieren, halten Sie es kurz, pragmatisch und glaubwürdig. Vermeiden Sie austauschbare Floskeln wie „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt". Schreiben Sie stattdessen lieber konkret auf, wie Sie arbeiten wollen. Wenn Sie dieses Leitbild formulieren, ist das ein schöner Bonus – die Pflichtlektüre für den Banker sind jedoch Ihre unternehmerischen Ziele.

2. Die Unternehmerziele: Der Maßstab für den Banker

Für den Geldgeber macht es einen gewaltigen Unterschied, welche Dimensionen Sie mit Ihrer Gründung anpeilen. Sie müssen im Businessplan unmissverständlich klarstellen, in welcher Liga Sie spielen wollen.

Zwei Beispiele verdeutlichen diesen Unterschied:

  • Beispiel Fliesenleger: Wollen Sie als bodenständiger Einzelkämpfer selbst beim Kunden Fliesen verlegen und sich ein solides, gut laufendes Ein-Mann-Unternehmen aufbauen? Oder planen Sie, innerhalb der nächsten fünf Jahre einen Großbetrieb im industriellen Maßstab mit 100 Angestellten hochzuziehen?
  • Beispiel Solartechnik: Installieren Sie gelegentlich eine Solaranlage auf privaten Hausdächern in Ihrer Region? Oder ist Ihr Ziel eine industrielle Lösung, die schlüsselfertige Solarparks für zehntausende Haushalte realisiert?

Beide Wege sind völlig legitim. Doch sie erfordern völlig unterschiedliche Strategien, finanzielle Mittel und Risikobewertungen. Wenn Sie Ihre Ziele nicht präzise definieren, kann der Banker Ihren gesamten Finanzplan nicht seriös prüfen.

3. Warum die Bank Ihre Ziele genau durchleuchtet

Warum ist die Skalierung Ihres Vorhabens für den Banker so entscheidend? Weil Banken einem strengen, gesetzlich vorgeschriebenen Risikomanagement unterliegen. Jede Bank hat eine eigene Geschäfts- und Risikostrategie, nach der sie entscheidet, welche Kredite sie vergibt und welche nicht.

  • Das Klumpenrisiko: Banken dürfen ihr Geld nicht nur in einer einzigen Branche oder einer einzigen Art von Projekten anlegen. Wenn eine Bank beispielsweise schon sehr viele Kredite an kleine Solar-Installateure vergeben hat, schränkt sie die Vergabe in diesem Bereich ein, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden.
  • Das Personenrisiko (Key-Person-Risk): Wenn Sie als Einzelkämpfer gründen, hängt das gesamte Unternehmen an Ihrer Gesundheit und Arbeitskraft. Fällt der Fliesenleger aus, steht der Betrieb still. Planen Sie dagegen ein Unternehmen mit Mitarbeitern, verteilt sich das Risiko auf mehrere Schultern, dafür steigen die Fixkosten und der Kapitalbedarf massiv an.

Indem Sie Ihre Ziele klar formulieren, helfen Sie dem Banker zu prüfen, ob Ihr Vorhaben in das aktuelle Risikoprofil der Bank passt. Wenn Sie Ihre Wachstumsziele im Businessplan verschweigen oder unrealistisch darstellen, riskieren Sie eine schnelle Kreditablehnung.

4. So formulieren Sie Ihre Ziele richtig

Teilen Sie Ihre Ziele im Businessplan in zwei Kategorien ein:

Quantitative Ziele (Zahlen und Fakten):

  • Welchen Umsatz und Gewinn wollen Sie in den Jahren 1, 3 und 5 erreichen?
  • Wie viele Mitarbeiter wollen Sie bis wann einstellen?
  • Welchen Marktanteil oder wie viele Kunden wollen Sie gewinnen?

Qualitative Ziele (Ausrichtung und Image):

  • Welchen Ruf soll Ihr Unternehmen im Markt genießen (z. B. Qualitätsführerschaft, Preisführerschaft, Innovationskraft)?
  • Welchen regionalen oder überregionalen Radius wollen Sie abdecken?

Achten Sie darauf, dass diese Ziele absolut im Einklang mit Ihrem Finanzplan stehen. Wenn Sie im Text schreiben, dass Sie ein großes Industrieunternehmen planen, im Finanzplan aber nur das Gehalt für sich selbst und keine Investitionen für Maschinen oder Personal auftauchen, verliert der Businessplan sofort seine Glaubwürdigkeit.

Fazit

Ein Unternehmensleitbild ist die Kür, Ihre konkreten Unternehmerziele sind die Pflicht. Sagen Sie dem Banker offen und ehrlich, wo die Reise hingehen soll. Wenn Sie Ihre Ziele klar definieren und logisch begründen, zeigen Sie dem Geldgeber, dass Sie die Risiken Ihres Vorhabens genau einschätzen können. Erst diese Klarheit ermöglicht es der Bank, eine verlässliche Entscheidung zu treffen und Ihnen die passende Finanzierung zuzusagen.

FAQ

Häufige Fragen

Glossar

Businessplan
Ein schriftliches Dokument, das ein unternehmerisches Vorhaben detailliert beschreibt. Er enthält alle wichtigen Informationen zu Geschäftsidee, Markt, Marketing, Organisation und Finanzen und dient als Entscheidungsgrundlage für Kapitalgeber.
Finanzplan
Der rechnerische Teil des Businessplans, der die erwarteten Umsätze, Kosten, Investitionen und den Kapitalbedarf für die ersten Geschäftsjahre darstellt. Er belegt die finanzielle Tragfähigkeit des Unternehmens.
Skalierung
Beschreibt das Wachstumspotenzial eines Geschäftsmodells. Ein gut skalierbares Unternehmen kann seinen Umsatz und Gewinn stark steigern, ohne dass die Kosten im gleichen Maße anwachsen.
Klumpenrisiko
Ein Begriff aus dem Risikomanagement der Banken. Es bezeichnet die Gefahr, die durch eine zu starke Konzentration von Krediten auf eine einzelne Branche, eine Region oder eine bestimmte Art von Unternehmen entsteht.
Personenrisiko (Key-Person-Risk)
Das Risiko für ein Unternehmen, das von der Arbeitskraft und dem Wissen einer einzelnen Schlüsselperson abhängt. Fällt diese Person aus, ist der Fortbestand des Unternehmens gefährdet.
Quantitative Ziele
Messbare, in Zahlen ausgedrückte Ziele des Unternehmens. Dazu gehören zum Beispiel Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl oder Marktanteil in einem bestimmten Zeitraum.
Qualitative Ziele
Nicht direkt in Zahlen messbare, „weiche“ Ziele, die die Ausrichtung des Unternehmens beschreiben. Beispiele sind die angestrebte Marktposition (z. B. Qualitätsführer), der Bekanntheitsgrad oder das Image.

Weiterführendes

Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.

Mein Klärungsbogen

Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag

Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.

  • Welche Unternehmerziele sind typisch für eine GmbH-Gründung im Vergleich zum Einzelunternehmen?

    Diese Frage hilft, die strategische Ausrichtung passend zur gewählten Rechtsform zu schärfen und gegenüber Geldgebern zu begründen.

  • Wie finde ich die richtige Balance zwischen ambitionierten und konservativen Zielen im Finanzplan?

    Wir müssen einen Mittelweg finden, der Ihr Potenzial aufzeigt, ohne dass die Bank Ihre Planung als unrealistisch einstuft.

  • Wie trenne ich meine persönlichen finanziellen Ziele von den Zielen des Unternehmens?

    Diese Klärung stellt sicher, dass Ihr Unternehmerlohn und Ihre Entnahmen realistisch geplant sind und nicht den Kapitalbedarf des Unternehmens gefährden.

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