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AVGS-Kernmodul

Coach-Wechsel im AVGS-Gründungscoaching: Sinnvolle Reißleine oder Flucht vor der Wahrheit?

Ein Coach-Wechsel im AVGS-Gründungscoaching ist erlaubt – aber in rund 80 Prozent der Fälle keine gute Idee. Wann ein Wechsel wirklich Sinn ergibt und wann er Ausdruck einer Konfliktvermeidung ist, die am Markt teuer wird.

Bearbeitungsstand: Juli 2026

Wozu Klärungsbogen und Leseliste?

Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.

Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.

Wie „Meins" funktioniert

Inhalt

Wer über einen AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, steht vor einer Vielzahl von Entscheidungen. Eine der ersten und sensibelsten ist die Zusammenarbeit mit dem Gründungscoach. Doch was passiert, wenn es im Coaching knirscht? Wenn das Gefühl entsteht: „Das passt einfach nicht"?

Grundsätzlich ist ein Coach-Tausch ein völlig normaler Vorgang. Mehr noch: Aus Sicht von Peter Saubert ist die Entscheidung, den Coach zu wechseln, oft eine der allerersten echten Personalentscheidungen, die ein junger Unternehmer überhaupt trifft.

Die Quintessenz dazu lautet: Man kann den Coach austauschen – aber nur, wenn es wirklich triftige Gründe gibt.

Die Erfahrung zeigt jedoch ein anderes Bild: Rund 80 % der beantragten Coach-Wechsel basieren auf persönlichen Befindlichkeiten. Und genau die muss man als Unternehmer schlichtweg aushalten lernen.

„Die Chemie stimmt nicht" – oft nur eine Ausrede

Der Satz „Die Chemie stimmt nicht" fällt erstaunlich oft. Doch was bedeutet er in der Praxis? Meistens ist er ein Euphemismus für: „Ich möchte nicht genau sagen, woran es liegt" oder „Der Coach spricht Wahrheiten aus, die mir wehtun."

Ein Gründungscoach ist nicht dafür da, Ihnen nach dem Mund zu reden oder einfach nur stur einen Businessplan abzuhaken. Viele Gründer haben noch nicht verinnerlicht, dass der Businessplan nur das Ergebnis eines Prozesses ist. Der eigentliche Zweck des Coachings ist es, zu lernen, wie man wie ein Unternehmer denkt und handelt. Und dazu gehört es, unbequeme Realitäten zu akzeptieren.

Warum Gründungsideen „kaputtgemacht" werden müssen

Besonders häufig tritt der Wunsch nach einem Wechsel bei Gründern auf, die eine feste Idee haben und panische Angst davor verspüren, dass man ihnen diese Idee nimmt.

Dabei ist die Gründungsphase genau dafür da: Ideen müssen auf den Prüfstand gestellt, hinterfragt und metaphorisch „kaputtgemacht" werden. Nur wenn ein Konzept aus verschiedenen Blickwinkeln attackiert wird und der Gründer es danach stabiler und marktgerechter wieder aufbaut, hat das Unternehmen eine reale Überlebenschance.

Peter Saubert erinnert sich in diesem Zusammenhang an eine klassische Geschichte aus seiner Beratungspraxis:

Ein Gründer stellte mir stolz sein Konzept vor. Ich gehörte exakt zu seiner Zielgruppe. Doch auf drei ganz normale Fragen, die jeder typische Kunde stellen würde, hatte er keine Antwort. Statt die Fragen als Arbeitsauftrag für das Coaching zu sehen, war seine Reaktion: „Der Coach versteht meine Idee nicht und will sie mir nur madig machen." Der Gründer suchte Bestätigung statt Beratung. Das Ende vom Lied? Das Unternehmen startete am Markt – und verschwand kurz darauf wieder. Gescheitert ist es exakt an den drei Fragen, die im Vorfeld nicht beantwortet werden wollten.

Peter SaubertUnternehmensberater

Den Gründungscoach für „zu doof" zu erklären, nur weil er kritische Fragen stellt, ist ökonomisches Harakiri. Wenn Ihr Konzept wirklich so gut ist, dann müssen Sie es auch gegen die Argumente Ihres Coachs verteidigen können. Wenn Sie potenziellen Kunden eine halbe Stunde lang Ihr Produkt erklären, aber kein echtes Kaufargument ankommt, liegt das Problem nicht beim Zuhörer.

Wann ein Coach-Wechsel tatsächlich Sinn macht

Es gibt sie natürlich, die triftigen Gründe für einen Wechsel. Ein Tausch ist dann absolut gerechtfertigt und sinnvoll, wenn:

  • Es rein menschlich absolut nicht funktioniert: Wenn die Kommunikation komplett blockiert ist und kein professionelles Arbeiten mehr möglich ist – wobei auch hier genau geprüft werden sollte, ob es an der Persönlichkeit oder am Inhalt liegt.
  • Ein Spezialgebiet gefordert ist: Wenn Coach und Gründer gemeinsam feststellen, dass das Vorhaben in eine so spezifische oder fachfremde Nische abdriftet, dass ein anderer Experte an der Seite des Gründers mehr Mehrwert stiften kann.

Fazit: Wer der Wahrheit ausweicht, sollte nicht gründen

Nutzen Sie die Möglichkeit eines Coach-Wechsels im AVGS-Verfahren, wenn es fachlich oder strukturell notwendig ist. Nutzen Sie sie aber niemals, um unbequemen Wahrheiten aus dem Weg zu gehen.

Wer die Kritik eines Coachs im geschützten Raum nicht aushält, wird am freien Markt gnadenlos scheitern. Denn der Markt stellt diese unangenehmen Fragen jeden Tag – und korrigiert Fehler nicht mit Feedback, sondern mit Insolvenz. Wenn Sie den kritischen Diskurs scheuen, lautet die harte, aber ehrliche Alternative: Gründen Sie lieber gar nicht.

FAQ

Häufige Fragen

Glossar

AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein)
Ein Förderinstrument der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters, das berechtigten Personen die kostenlose Teilnahme an Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung ermöglicht. Dazu gehört auch das hier beschriebene Gründungscoaching.
Gründungscoaching
Eine professionelle Begleitung für Gründerinnen und Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Der Coach agiert als Sparringspartner, hinterfragt das Geschäftsmodell und hilft bei der Erstellung des Businessplans sowie der Vorbereitung auf den Markteintritt.
Businessplan
Ein schriftliches Dokument, das die Geschäftsidee, die Ziele, die Strategien, die Finanzplanung und die Marktanalysen eines Gründungsvorhabens detailliert darlegt. Er ist die zentrale Grundlage für die Beantragung von Krediten oder Fördermitteln wie dem AVGS.
Zielgruppe
Diejenige Gruppe von potenziellen Kunden, deren Bedürfnisse und Probleme ein Unternehmen mit seinem Angebot gezielt ansprechen möchte. Eine genaue Definition der Zielgruppe ist entscheidend für den Erfolg von Marketing und Vertrieb.
Insolvenz
Die Unfähigkeit eines Unternehmens, seinen fälligen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Umgangssprachlich wird dies oft als Pleite oder Konkurs bezeichnet und führt in der Regel zur Abwicklung und Auflösung des Unternehmens.

Weiterführendes

Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.

Mein Klärungsbogen

Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag

Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.

  • Nach welchen Kriterien sollte ich meinen allerersten AVGS-Coach auswählen?

    Die richtige Auswahl zu Beginn kann mir einen späteren Wechsel und damit verbundenen Aufwand ersparen.

  • Welche konkreten Ergebnisse und Resultate kann ich vom Coaching erwarten?

    Wenn ich weiß, was am Ende des Prozesses stehen sollte, kann ich die Leistung des Coachs besser beurteilen.

  • Was ist mein eigener Beitrag für ein erfolgreiches Gründungscoaching?

    Ich möchte verstehen, welche Vor- und Mitarbeit von mir erwartet wird, damit die Zusammenarbeit zum Erfolg wird.

  • Gibt es rote Flaggen, an denen ich einen unpassenden Coach frühzeitig erkenne?

    Das Wissen um frühe Warnsignale hilft mir, Probleme direkt anzusprechen, bevor ein Wechsel unausweichlich wird.

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