Zum Inhalt springen

Grundmodul

Warum Sie als Gründerperson das wichtigste Kapitel Ihres Businessplans sind

Kein Businessplan überlebt die ersten harten Monate unverändert. Was Bank, Sachkundige Stelle und Arbeitsagentur wirklich lesen, ist das Kapitel über Sie – die Konstante hinter dem Plan.

Bearbeitungsstand: Juli 2026

Wozu Klärungsbogen und Leseliste?

Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.

Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.

Wie „Meins" funktioniert

Inhalt

Wenn Sie einen Businessplan schreiben, konzentrieren Sie sich vermutlich zuerst auf Marktanalysen, Marketingstrategien und lange Tabellen voller Zahlen. Doch das eigentliche Herzstück Ihres Businessplans ist ein ganz anderes Kapitel: Es ist der Beitrag über Sie selbst – die Gründer- und Unternehmerperson.

Warum ist das so? Ganz einfach: Jeder vernünftige Banker und Investor weiß, dass kein Geschäftsplan exakt so eintrifft, wie er aufgeschrieben wurde. Strukturen ändern sich, der Markt reagiert unerwartet und Sie müssen operativ umsteuern. Der Plan ist flexibel, aber Sie sind die Konstante.

Ein Businessplan überlebt selten unverändert die ersten harten Monate am Markt. Was die Krise übersteht und das Unternehmen lenkt, sind nicht die Zahlenkolonnen, sondern Sie als Unternehmerperson.

Peter SaubertUnternehmensberater

Hier erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Persönlichkeit, Ihre Qualifikationen und Ihre kaufmännischen Kompetenzen glaubwürdig im Businessplan darstellen.

1. Wer Sie sind: Prägende Momente und der Weg zur Geschäftsidee

Beschreiben Sie sich als Person greifbar und authentisch. Ein reiner Lebenslauf in Textform reicht hier nicht aus. Geldgeber wollen verstehen, wer Sie sind und was Sie antreibt.

  • Erfolge und Misserfolge: Welche Ereignisse haben Sie geprägt? Verschweigen Sie auch Rückschläge nicht. Investoren wissen, dass man aus Fehlern oft mehr lernt als aus Siegen. Entscheidend ist, wie Sie mit diesen Situationen umgegangen sind und was Sie daraus gelernt haben.
  • Die Entstehung der Idee: Wie kam es zu Ihrer Geschäftsidee? Gab es einen bestimmten Schlüsselmoment, ein ungelöstes Problem in Ihrem Alltag oder eine Marktlücke, die Sie im Beruf entdeckt haben?
  • Die Passung: Warum sind genau Sie die richtige Person, um diese Idee jetzt erfolgreich umzusetzen?

2. Fachliche Qualifikation: Der Nachweis für KfW und Gründungszuschuss

Wenn Sie einen Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit beantragen oder ein KfW-Darlehen erhalten möchten, ist der formale Nachweis Ihrer fachlichen Qualifikation Pflicht. Hierbei wird zwischen zwei Arten von Wissen unterschieden:

  • Formale Kenntnisse: Wissen, das Sie in der Ausbildung, im Studium oder durch zertifizierte Kurse erworben haben. Belegen Sie diese Fähigkeiten lückenlos durch Zeugnisse und Zertifikate, die Sie als Anlage hinten an Ihren Businessplan anfügen.
  • Informelle Kenntnisse: Fähigkeiten, die Sie sich im Laufe Ihres Lebens durch reine Praxiserfahrung angeeignet haben – ohne dafür eine Schulbank zu drücken. Beschreiben Sie diese praktischen Erfahrungen konkret und nachvollziehbar.

3. Die Falle der Abhängigkeit und Ihre kaufmännische Kompetenz

Neben dem Fachwissen brauchen Sie zwingend betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Ein Unternehmer muss das Handwerk verstehen, darf aber kein reiner Fachidiot sein. Schildern Sie offen, welche kaufmännischen Kompetenzen Sie mitbringen.

Umgang mit Defiziten: Niemand kann alles perfekt. Wenn Sie Lücken im Bereich Buchhaltung, Steuern oder Vertrieb haben, legen Sie im Businessplan dar, wie Sie diese Defizite kompensieren. Holen Sie sich einen erfahrenen Steuerberater ins Boot? Nutzen Sie eine spezialisierte Software?

Ein kritisches Beispiel ist die Meisterpflicht in bestimmten Branchen. Natürlich können Sie dieses Problem formal lösen, indem Sie einen angestellten Betriebsleiter einstellen. Aber damit schaffen Sie eine massive Abhängigkeit. Und Abhängigkeit ist genau das, was Sie als Gründer weder ertragen noch gebrauchen können. Wenn dieser Betriebsleiter geht, steht Ihr Betrieb still. Erklären Sie im Businessplan schlüssig, wie Sie trotz eventueller Angestellter die Fäden in der Hand behalten und Ihre Unabhängigkeit sichern.

4. Kontinuierliche Weiterbildung: Ihr Blick in die Zukunft

Der Markt verändert sich rasant. Zeigen Sie im Businessplan, dass Sie lernbereit sind.

  • Welche Weiterbildungen haben Sie in der Vergangenheit regelmäßig besucht?
  • Welche Fortbildungen planen Sie konkret für die Zukunft?

Erklären Sie, was Sie sich von diesen ausgewählten Maßnahmen versprechen und wie sich das neue Wissen direkt auf Ihr Geschäftsmodell auswirkt. Das beweist Geldgebern, dass Sie Ihr Unternehmen zukunftssicher aufstellen.

5. Erzählen Sie Anekdoten statt Eigenlob

Sätze wie „Ich bin der Beste, Tollste und Kompetenteste" glaubt Ihnen kein Banker. Sie wirken arrogant und unglaubwürdig. Nutzen Sie stattdessen die Kraft von Anekdoten. Geschichten bleiben im Gedächtnis – das wussten schon die alten Griechen.

Denken Sie an die Sage von Herkules: Die Geschichte erzählt von einem Baby in der Wiege, in die eine Schlange gesetzt wird. Herkules greift zu und erwürgt die Schlange. Niemand muss danach noch langatmig erklären, dass dieser Junge einmal bärenstark wird – die Anekdote hat es bereits bewiesen.

Übertragen auf Ihr Leben bedeutet das: Wenn ein Kfz-Meister oder Landmaschinenmechaniker schreibt: „Schon als siebenjähriger Steppke habe ich meinem Opa in der Werkstatt geholfen und den Dreizylinder-Trecker zerlegt", dann transportiert das sofort Leidenschaft, tiefes Verständnis und Handwerkstradition. Verpacken Sie Ihr Know-how in interessante Erlebnisse aus Ihrem Werdegang, die Ihre Fähigkeiten untermauern. Das gilt auch für Krisen: Beschreiben Sie kurz, wie Sie in der Vergangenheit reagiert haben, als ein Projekt schiefzugehen drohte. Das beweist Ihre Fähigkeit, in der Praxis flexibel umzusteuern.

Fazit: Was der Banker wirklich liest

In der heutigen Zeit läuft die Prüfung von Businessplänen bei vielen Banken zweigeteilt ab. Der Zahlenteil, die Marktanalysen und Tabellen werden immer häufiger im ersten Schritt von einer KI analysiert. Diese filtert Unstimmigkeiten heraus und generiert gezielte Fragen.

Die KI prüft die Zahlen, aber der Mensch prüft den Menschen. Das Kapitel über die Gründerperson ist oft der einzige Teil des Businessplans, den der Banker noch von vorne bis hinten selbst liest, um zu verstehen, wie Sie ticken.

Peter SaubertUnternehmensberater

Wenn der Banker, die Sachkundige Stelle oder der Sachbearbeiter bei der Arbeitsagentur nach dem Lesen Ihres Porträts versteht, wer Sie sind, warum Sie fachlich und kaufmännisch bereit für diesen Schritt sind und wie Sie mit Krisen umgehen, setzt er hinter den Fragen die grünen Haken. Ist dann noch die Bonitätsprüfung in Ordnung, steht Ihrer Finanzierung oder dem Gründungszuschuss absolut nichts mehr im Weg.

Verknüpfungen zum 1×1 des Controllings

FAQ

Häufige Fragen

Glossar

Businessplan
Ein schriftliches Dokument, das die Ziele, Strategien und Finanzprognosen eines Gründungsvorhabens zusammenfasst. Er dient als Fahrplan für die Gründer und ist eine zwingende Voraussetzung für Banken und Investoren.
Gründungszuschuss
Ein staatlicher Zuschuss der Agentur für Arbeit, der den Schritt aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit unterstützt. Er dient der Sicherung des Lebensunterhalts und der sozialen Absicherung in der Startphase des Unternehmens.
KfW
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau ist die staatliche Förderbank Deutschlands, die Gründer sowie kleine und mittlere Unternehmen mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen unterstützt. Die Beantragung erfolgt in der Regel über die Hausbank.
Kaufmännische Kompetenzen
Alle betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten, die zur erfolgreichen Führung eines Unternehmens notwendig sind. Dazu gehören Kenntnisse in Bereichen wie Buchführung, Controlling, Steuern, Vertrieb und Marketing.
Sachkundige Stelle
Eine Institution (z. B. IHK, HWK, Steuer- oder Unternehmensberater), die die Tragfähigkeit einer Geschäftsidee vor der Bewilligung des Gründungszuschusses bescheinigen muss. Dieses Gutachten bestätigt der Agentur für Arbeit die wirtschaftliche Solidität des Vorhabens.
Bonitätsprüfung
Die Prüfung der Kreditwürdigkeit einer Person oder eines Unternehmens. Banken und andere Geldgeber bewerten damit die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kredit vertragsgemäß zurückgezahlt wird.

Weiterführendes

Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.

Mein Klärungsbogen

Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag

Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.

  • Welchen Umfang sollte das Kapitel über meine Gründerperson im Verhältnis zum Rest des Businessplans haben?

    Wir definieren die ideale Länge und Detailtiefe für Ihr Porträt, damit es aussagekräftig ist, ohne den Rahmen des gesamten Geschäftsplans zu sprengen.

  • Wie stelle ich unser Gründerteam optimal dar, wenn wir mit mehreren Personen gründen?

    Wir erarbeiten eine Strategie, wie Sie die Kompetenzen im Team so aufteilen und präsentieren, dass für den Investor ein rundes und schlagkräftiges Gesamtbild entsteht.

  • Ich bin Quereinsteiger – wie begründe ich trotz fehlender Branchenerfahrung meine fachliche Eignung?

    Wir finden übertragbare Fähigkeiten aus Ihrer bisherigen Laufbahn und entwickeln eine Argumentation, die Ihre branchenfremde Perspektive als strategischen Vorteil darstellt.

Feedback

War dieser Beitrag hilfreich?

Kontakt

Interesse? Schreiben Sie uns.

Fragen zum Modul „Warum Sie als Gründerperson das wichtigste Kapitel Ihres Businessplans sind"? Schreiben Sie uns – wir antworten persönlich.