Gute Unternehmensführung
Was die Evolution der Medienlandschaft uns über modernes Personalmanagement lehrt
Wer heute in die Redaktionen nachrückt, prägt die Berichterstattung in zehn Jahren – wer heute eingestellt wird, prägt die Unternehmenskultur in zehn Jahren. Eine Parallele mit Konsequenzen für jede HR-Strategie.
Willi Saubert
11. Juni 2026 · 4 Min Lesezeit

Haben Sie sich in den letzten Jahren auch manchmal über eine spürbare moralische oder politische Tendenz in den Medien gewundert? Es wurde viel über eine „grün-linke" Schlagseite diskutiert. Mir geht es hier gar nicht um eine politische Bewertung, ob das gut oder schlecht war. Vielmehr fasziniert mich als Beobachter eine ganz andere Frage: Welcher Typ Mensch wird eigentlich Journalist?
Wenn ich die Mechanismen unserer Gesellschaft betrachte, komme ich zu einer Hypothese: Journalist wird tendenziell eher, wer mit dem Status quo unzufrieden ist. Wer sich in der bestehenden Struktur deplatziert fühlt und den Drang verspürt, die Gesellschaft aktiv zu verändern.
Der Generationenwechsel in den Redaktionen

_Blicken wir zurück: Die prägenden Journalistenköpfe der letzten Jahrzehnte wurden oft durch die Bewegungen der 60er, 70er und 80er Jahre (bis hin zur Gründung der Grünen) geformt. Diese Generation war unzufrieden mit dem damaligen Staat und brachte diese Haltung in die Redaktionen. Wer damals, um 1980 herum, antrat, geht heute in Rente.
Wichtige Randnotiz: Wenn wir hier von „links" und „rechts" sprechen, meinen wir ausdrücklich den demokratischen Diskurs in der Mitte der Gesellschaft – fernab von jeglichem Links- oder Rechtsextremismus.
Nach einer Übergangszeit in den 90ern und der Ära Merkel zeigt sich nun ein Gegentrend. Viele Menschen fühlten sich zunehmend genervt von einer gefühlten „grün-linken Bevormundung" und dem ständigen Ruf nach mehr Staat und ökologischen Vorschriften. Was passiert also jetzt?
Das ist ein natürlicher Kreislauf, der sich fortsetzen wird, bis auch diese Generation irgendwann in den Ruhestand geht.
Die Parallele zum Unternehmen: Warum das HR-Verantwortliche brennend interessieren muss
Was hat diese Medien-Logik nun mit Ihnen als Unternehmer oder HR-Manager zu tun? Die Parallele ist verblüffend direkt.
Als Unternehmer wollen Sie Ihre Leistungen, Ihre Produkte und vor allem Ihre Werte verkaufen. Sie stehen mit Ihrer Marke für etwas. Doch wer bestimmt eigentlich, wie Ihr Unternehmen langfristig nach außen wahrgenommen wird? Es sind die Menschen, die Sie heute einstellen.
Genau dasselbe passiert in Ihrer Firma. Wenn Sie heute Mitarbeiter einstellen, die die Werte Ihres Unternehmens nicht teilen oder sogar unbewusst torpedieren, merken Sie das vielleicht nicht morgen oder in zwei Jahren. Aber in fünf bis zehn Jahren werden genau diese Menschen das Gesicht und die Kultur Ihres Unternehmens nach außen tragen. Sie strahlen dann Werte aus, die Sie nie wollten – und zerstören damit das Fundament Ihres Erfolgs: das Vertrauen Ihrer Kunden.
Fazit für Ihre Personalpolitik: Culture Fit schlägt High Performance
Wenn wir etwas aus der Entwicklung der Medienwelt lernen können, dann ist es die langfristige Macht der inneren Haltung. Für Ihre HR-Strategie bedeutet das ganz pragmatisch:
- Werte vor Zertifikate: Suchen Sie gezielt nach Menschen, deren persönliche Werte zu Ihrer Firmenphilosophie passen.
- Mut zum Verzicht: Verzichten Sie im Zweifelsfall lieber auf den hochqualifizierten „High Performer", wenn dieser menschlich oder ideologisch nicht zu Ihren Grundwerten passt.
Fähigkeiten kann man lernen, eine innere Haltung nicht. Vertrauen ist das höchste Gut, das Sie als Unternehmen aufbauen können. Schützen Sie dieses Vertrauen, indem Sie heute genau hinschauen, wer morgen Ihre Unternehmensgeschichte mitschreibt.
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FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Culture Fit
- Beschreibt die Übereinstimmung der Werte, Überzeugungen und Verhaltensweisen eines Bewerbers mit der Kultur und den gelebten Normen eines Unternehmens. Ein hoher "Culture Fit" gilt als Indikator für eine schnellere Integration und eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit.
- High Performer
- Bezeichnet einen Mitarbeiter, der in seiner Rolle beständig herausragende Leistungen erbringt und die gesetzten Ziele übertrifft. Die Bewertung bezieht sich primär auf die fachliche und quantitative Leistung, weniger auf die kulturelle Passung.
- Generationenwechsel
- Der Prozess, bei dem eine ältere Generation von Mitarbeitern aus dem Berufsleben ausscheidet und durch eine jüngere Generation ersetzt wird. Dieser demografische Wandel bringt oft eine Veränderung von Werten, Arbeitsweisen und Kommunikationsstilen im Unternehmen mit sich.
- Human Resources (HR)
- Der Unternehmensbereich, der sich mit allen personalbezogenen Aufgaben befasst. Dazu gehören Rekrutierung, Personalverwaltung, Mitarbeiterentwicklung, Lohnabrechnung und die Gestaltung der Unternehmenskultur.
- Employer Branding
- Strategische Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen eine attraktive Arbeitgebermarke aufbaut und pflegt. Ziel ist es, sich positiv von Wettbewerbern abzuheben, um qualifizierte und passende Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden.
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Wie definiere ich meine eigene Unternehmenskultur so konkret, dass ich sie als Maßstab für Bewerber nutzen kann?
Eine klar definierte Kultur ist die unverzichtbare Basis, um überhaupt passende Mitarbeiter auswählen zu können.
Wie kann ich mein Team gezielt mit neuen Mitarbeitern kulturell weiterentwickeln, ohne Konflikte zu schüren?
Wir sollten besprechen, wie Sie eine gezielte Kulturentwicklung aktiv steuern, statt nur den Status quo zu bewahren.
Welche Besonderheiten gelten bei der Kulturprägung in sehr kleinen Teams (z.B. unter 15 Mitarbeitern)?
In kleinen Unternehmen ist die Wirkung jedes einzelnen Mitarbeiters auf die Kultur ungleich größer, was wir bei der Auswahl beachten müssen.
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