Gute Unternehmensführung
Politisches Geschacher und unternehmerische Wahrheit: Was wir aus Deutschlands UN-Debakel über Zuverlässigkeit lernen können
Deutschland scheitert erstmals bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat. Die wahren Ursachen liegen tiefer als die Schlagzeilen vermuten – und sie betreffen jedes Unternehmen.
Peter Saubert
05. Juni 2026 · 5 Min Lesezeit

In den Medien überschlagen sich derzeit die Schlagzeilen: Das erste Mal hat sich Deutschland um einen Sitz im UN-Weltsicherheitsrat beworben – und wurde abgelehnt. Von einer „Katastrophe" und einem „außenpolitischen Offenbarungseid" ist die Rede. Es werden reihenweise oberflächliche Argumente ausgetauscht.
Wer jedoch tiefer blicken und die tatsächlichen Ursachen verstehen will, muss sich von diesem aufgeregten medialen Geschrei lösen. Wir müssen sachlich analysieren, was hinter den Kulissen der Vereinten Nationen wirklich passiert ist.
Der Marktplatz der Interessen: Wie Posten bei der UN vergeben werden
Die UN ist kein moralischer Debattierclub, sondern ein hochkomplexer Marktplatz nationaler und persönlicher Interessen. Posten und Sitze werden dort nicht einfach nach Verdienst vergeben, sondern sind das Ergebnis eines gigantischen, oft jahrelangen diplomatischen „Geschachers".
Es läuft über klassische Deals: „Wir stimmen heute für dich, dafür stimmst du morgen für uns." Oder: „Wir unterstützen gemeinsam Kandidat X, und im Gegenzug sichert uns Land Y seine Stimme zu." Solche Absprachen basieren auf einem einzigen, unbezahlbaren Gut: Vertrauen und personelle Zuverlässigkeit.

Deutschland hat die Vorbereitungen für dieses sensible Postengeschacher bereits im Jahr 2020 akribisch eingeleitet. Die federführende Person im Hintergrund war die erfahrene Top-Diplomatin Helga Maria Schmid. Sie war ursprünglich für das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung vorgesehen. Schmid ist in diesem internationalen System tief vernetzt und gilt weltweit als eine Frau, die über Jahrzehnte hinweg ein Fundament aus absoluter Zuverlässigkeit und Diskretion aufgebaut hat. Die internationalen Partner wussten genau, woran sie bei ihr sind – die Deals standen.
Der Bruch der Absprachen und seine Quittung
Dann kam der Regierungswechsel und mit ihm Außenministerin Annalena Baerbock. Nachdem die Weichen für Deutschland gestellt waren, entschied Frau Baerbock, diese prestigeträchtige Position für sich selbst zu beanspruchen.
Möchte man das rein machtpolitisch bewerten, kann man das so machen. Doch die diplomatische Quittung folgte prompt. Mit dem Austausch der Hauptakteurin war das Fundament von Helga Maria Schmid nicht mehr tragfähig. Die informellen Absprachen, die Partnerländer über Jahre hinweg mit der Person Schmid getroffen hatten, galten plötzlich nicht mehr.
Die direkte Folge: Deutschland wirkte auf internationalem Parkett unzuverlässig. Eine neue, mit den tiefen Verflechtungen des Systems völlig unvertraute Person übernahm das Ruder. Warum sollten die anderen Interessenvertreter also ihre mühsam verhandelten Deals mit Deutschland noch einhalten?
In einer geheimen Abstimmung ist das für die anderen Länder ein Leichtes. Man kann Deutschland ins Gesicht lächeln, versichern, man habe für sie gestimmt, und in der Wahlkabine das Kreuz ganz woanders machen. Das Ergebnis sehen wir heute: Der Vertrauensverlust führte zum Scheitern.
Die Lehre für uns Unternehmer: Vertrauen ist an Personen gebunden
Genau diese Mechanismen der Weltpolitik lassen sich eins zu eins auf die Unternehmenswelt übertragen.
Als Unternehmer oder Führungskraft stehen wir täglich vor derselben Herausforderung: Wie zuverlässig sind wir und wie glaubwürdig sind unsere Aussagen? Business wird – genau wie Diplomatie – von Menschen für Menschen gemacht.
Wenn wir im Unternehmen die Personen, die maßgeblich für das Vertrauen, die Reputation und die Zusagen gegenüber unseren Kunden stehen, plötzlich austauschen, beschädigen oder deren Absprachen ignorieren, bricht das Kartenhaus zusammen.
Was bedeutet das für die Praxis?
- Glaubwürdigkeit ist unteilbar: Wenn ein Kunde das Gefühl verliert, dass Absprachen verlässlich sind, ist die Glaubwürdigkeit des gesamten Unternehmens dahin.
- Der Verlust an Zuverlässigkeit spricht sich herum: Genau wie in der UN reagieren Kunden und Partner im Markt sensibel. Ein unzuverlässiges Unternehmen wird ganz pragmatisch durch die Konkurrenz ersetzt.
- In der geheimen Abstimmung des Marktes verliert man leise: Kunden kündigen oft nicht mit lautem Geschrei. Sie wandern in einer „geheimen Abstimmung" – durch ihr Kaufverhalten – einfach still und leise ab.
Fazit
Ob auf der ganz großen Weltbühne in New York oder im täglichen Mittelstandsgeschäft: Wer Zusagen bricht und Schlüsselpersonen demontiert, verliert seine wichtigste Währung – die Zuverlässigkeit. Und ohne Zuverlässigkeit gibt es am Ende keine Mehrheiten und keine Kunden.
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Weiterführend
FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- UN-Sicherheitsrat
- Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen, verantwortlich für die Wahrung des Weltfriedens. Seine Beschlüsse sind für alle UN-Mitgliedstaaten bindend.
- UN-Generalversammlung
- Die Vollversammlung aller UN-Mitgliedstaaten, in der jedes Land eine Stimme hat. Sie dient als zentrales Beratungsorgan, ihre Resolutionen sind aber – anders als die des Sicherheitsrats – nicht bindend.
- Postengeschacher
- Eine oft abwertende Bezeichnung für intransparente Verhandlungen und Absprachen bei der Besetzung von Ämtern. Diese basieren häufig auf gegenseitigen Gefälligkeiten statt auf der reinen Qualifikation der Kandidaten.
- Diplomatie
- Die Praxis der Verhandlungsführung zwischen Staaten, meist durch offizielle Vertreter (Diplomaten). Ihr Ziel ist die friedliche Beilegung von Konflikten und die Pflege internationaler Beziehungen.
- Lobbyismus
- Die gezielte Vertretung von Interessen gegenüber politischen Entscheidungsträgern. Organisationen und Unternehmen versuchen so, Gesetzgebung und staatliche Entscheidungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
- Reputation
- Der Ruf eines Unternehmens oder einer Person, der auf bisherigen Leistungen und wahrgenommener Vertrauenswürdigkeit basiert. Eine gute Reputation ist ein wertvolles immaterielles Gut, das nur langsam aufgebaut, aber schnell zerstört werden kann.
- Generisches Maskulinum
- Die Verwendung der männlichen Form eines Wortes (z. B. „Unternehmer“), um Personen aller Geschlechter zu bezeichnen. Diese grammatische Form dient der sprachlichen Vereinfachung und bezieht sich nicht auf das biologische Geschlecht.
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