Damit meine Liquiditätsplanung aufgeht, muss ich im Lotto gewinnen
Zahlungsziele von 30, 60 oder 90 Tagen machen aus der Liquiditätsplanung ein Glücksspiel. Warum Forderungsausfälle gesunde Betriebe kippen – und wie Factoring die Ziehung beendet.
Peter Saubert und Willi Saubert
13. August 2026 · 5 Min Lesezeit

Haben Sie heute Morgen schon einen Blick in Ihre Excel-Tabelle geworfen? Oder, wie man in vielen Führungsetagen des Mittelstands scherzhaft sagt: in das meistgelesene Fantasy-Werk des Unternehmens?
Spalte A: Rechnungsdatum. Spalte B: Fälligkeit. Spalte C: Erwarteter Zahlungseingang. Was dort so wissenschaftlich und geordnet aussieht, unterscheidet sich bei genauerem Hinsehen kaum von einem Spielschein am Kiosk. Denn wer in Deutschland Rechnungen mit Zahlungszielen von 30, 60 oder gar 90 Tagen ausstellt, betreibt keine kaufmännische Planung. Er nimmt an einer wöchentlichen Ziehung teil.
Die Rechnung als Lottoschein
Das Prinzip ist verblüffend ähnlich: Die Rechnungsnummer ist Ihre Scheinnummer, der Fälligkeitstag ist der Ziehungstag. Und genau wie samstags um 19:57 Uhr sitzen Sie vor dem Online-Banking und hoffen auf die richtigen Zahlen.
Acht Wochen Zahlungsziel gewährt? Glückwunsch, Sie haben den Superfünfer gezogen – falls der Kunde tatsächlich am Tag 81 überweist. Drei Rechnungen gleichzeitig pünktlich beglichen? Das grenzt schon an einen Sechser mit Zusatzzahl.
Man hat sich im Mittelstand an diesen Zustand gewöhnt. Wir finanzieren die Großkonzerne und Großkunden dieser Welt vor, agieren als zinslose Hausbank für unsere Auftraggeber und nennen das Ganze stolz „kundenfreundliche Zahlungsbedingungen". In Wahrheit hoffen wir jeden Monatsersten aufs Neue, dass das große Glücksspiel Liquiditätsplanung nicht aus dem Ruder läuft.
Wenn die Ziehung abgesagt wird: Der Forderungsausfall
Besonders spannend wird das Spiel, wenn die Ziehung komplett ausfällt. Ein Großkunde meldet Insolvenz an oder verweigert wegen angeblicher Bagatellmängel monatelang die Zahlung.
In diesem Moment verwandelt sich das harmlose Hoffen in existenzielle Not. Denn Ihre eigenen Verbindlichkeiten nehmen nicht an der Lotterie teil. Gehälter, Mieten, Lieferantenrechnungen und das Finanzamt spielen kein „6 aus 49". Hier herrscht Festpreisgarantie mit sofortiger Fälligkeit. Fällt eine wesentliche Kundenrechnung aus, bricht das Kartenhaus zusammen. Aus einem statistischen Ausreißer wird der Dominoeffekt, der selbst gesunde, hochrentable Betriebe ins Straucheln bringt.
Sollte die Existenz Ihres Unternehmens wirklich davon abhängen, ob Kundengruppe X heute gute Laune hat und die Freigabe im ERP-System anklickt?
Schluss mit der Ziehung: Wie Factoring das Spiel beendet
Gute Unternehmer lieben das vermiedene oder das moderate, kalkulierte Risiko. Aber sie hassen das reine Glücksspiel. Es gibt einen einfachen Weg, die Lottotrommel im Rechnungswesen dauerhaft anzuhalten: Factoring.
Beim Factoring verkaufen Sie Ihre offenen Forderungen fortlaufend an einen Finanzdienstleister. Das Prinzip ist simpel, die Wirkung auf die Bilanz enorm:
- Sofortige Liquidität: Statt 30, 60 oder 90 Tage auf Ihr Geld zu warten, überweist der Factor in der Regel 85 bis 90 Prozent der Rechnungssumme innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Der Rest folgt nach Zahlung des Kunden.
- 100 % Schutz vor Forderungsausfall: Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Ausfallrisiko. Geht der Kunde pleite, ist das nicht mehr Ihr Problem. Der Lottoschein hat seinen Wert behalten.
- Entlastung im Betrieb: Mahnwesen und Debitorenbuchhaltung wandern auf Wunsch weitgehend zum Dienstleister. Ihre Mitarbeiter konzentrieren sich wieder auf das operative Geschäft statt auf Telefonate mit säumigen Zahlern.
Was Factoring in Ihrem Betrieb kostet
Wie stark Factoring Ihre Liquidität verändert, hängt von Umsatz, Zahlungsziel und Debitorenstruktur ab. Der Factoring-Schätzer von fivewi rechnet den Effekt in wenigen Schritten durch:
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Planbarkeit statt Prinzip Hoffnung
Factoring kostet eine relativ geringe Gebühr – oft vergleichbar mit einem Skonto, den man Kunden ohnehin gewährt. Im Gegenzug kaufen Sie sich etwas, das im Mittelstand unbezahlbar geworden ist: absolute Planungssicherheit.
Sie müssen nicht mehr darauf hoffen, dass im Lotto die richtigen Zahlen fallen, um nächsten Freitag die Löhne zu zahlen. Sie wissen es einfach. Damit wird die Liquiditätsplanung wieder das, was sie immer sein sollte: eine verlässliche Rechenaufgabe statt eines wöchentlichen Glücksspiels. Den Lottoschein können Sie sich am Kiosk an der Ecke kaufen – für das Wochenende, privat. Im Unternehmen hat er nichts zu suchen.
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FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Liquiditätsplanung
- Die Liquiditätsplanung ist ein zentrales Instrument der Unternehmensführung. Sie stellt sicher, dass ein Unternehmen jederzeit über genügend flüssige Mittel verfügt, um seinen Zahlungsverpflichtungen (z.B. Gehälter, Mieten, Rechnungen von Lieferanten) nachzukommen.
- Forderungsausfall
- Ein Forderungsausfall tritt ein, wenn ein Kunde seine Rechnung endgültig nicht bezahlt, zum Beispiel aufgrund einer Insolvenz. Für den Gläubiger bedeutet dies einen direkten Verlust in Höhe der offenen Rechnungssumme.
- Zahlungsziel
- Das Zahlungsziel bezeichnet die Frist, die ein Unternehmen seinem Kunden für die Bezahlung einer Rechnung einräumt. Übliche Zahlungsziele im Geschäftsverkehr sind 30, 60 oder 90 Tage.
- Factoring
- Factoring ist eine Finanzierungsdienstleistung, bei der ein Unternehmen seine offenen Forderungen an einen Dritten (den Factor) verkauft. Im Gegenzug erhält das Unternehmen sofortige Liquidität und kann sich gegen Forderungsausfälle absichern.
- Debitorenbuchhaltung
- Die Debitorenbuchhaltung verwaltet die offenen Posten von Kunden (Debitoren), die Waren oder Dienstleistungen auf Rechnung erhalten haben. Zu ihren Aufgaben gehören die Überwachung von Zahlungseingängen und das Mahnwesen.
- ERP-System
- Ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) ist eine Softwarelösung, die zur Steuerung und Verwaltung sämtlicher Geschäftsprozesse eines Unternehmens eingesetzt wird. Dies umfasst Bereiche wie Buchhaltung, Personalwesen, Produktion und Vertrieb.
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Ich möchte wissen, was der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring ist.
Im Text wird "echtes Factoring" erwähnt, was impliziert, dass es auch eine andere Variante gibt.
Ich möchte prüfen, ob sich Factoring auch für kleinere Unternehmen oder Einzelunternehmer lohnt.
Mir ist unklar, ob sich der administrative Aufwand und die Gebühren nur bei hohen Umsätzen rechnen.
Ich möchte verstehen, wie die Übergabe des Mahnwesens an einen Factor in der Praxis abläuft.
Ich befürchte einen Kontrollverlust und mögliche negative Auswirkungen auf meine Kundenbeziehungen.
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