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Interview: Warum das Thema „Nebenerwerb" plötzlich Chefsache ist
Theo Saubert leitet die Nebenerwerb Akademie – und erklärt, warum das Thema für Unternehmerfamilien, Fach- und Führungskräfte in den 50ern und für Unternehmer nach dem Exit wirtschaftlich hoch relevant ist. Von der Falle des klassischen Studentenjobs bis zum Nebenerwerb als Brücke ins Unternehmertum.
11. Juli 2026

Interview: Warum das Thema „Nebenerwerb" plötzlich Chefsache ist
Nebenerwerb – ein Thema für Studenten?

Herr Saubert, Hand aufs Herz: Unser Magazin richtet sich an gestandene Unternehmer, die den Schritt in die Vollselbstständigkeit längst hinter sich haben. Wenn wir das Wort „Nebenerwerb" hören, denken viele eher an Hobby-Projekte oder den klassischen Studentenjob. Warum sollten unsere Leser heute überhaupt weiterlesen?

Weil es um Ihre Kinder, Ihre zukünftigen Fachkräfte und vielleicht sogar um Ihre eigene Zukunft nach dem Firmenverkauf geht. Aber lassen Sie mich kurz ausholen: Ich leite die Nebenerwerb Akademie. Unser primäres Ziel ist es, ein professionelles Selbst-Lern-Angebot für Menschen zu schaffen, die im Nebenerwerb gründen. In Deutschland reden wir hier über eine riesige Bewegung – je nach Statistik sind das jährlich rund 500.000 Menschen. Durch steigende Regulierung, Steuern und Bürokratie wird es für Angestellte immer schwerer, Vermögen aufzubauen und den Lebensunterhalt zu finanzieren. Der Nebenerwerb ist für viele der Ausweg in die persönliche Freiheit.

Schön und gut. Aber ein Unternehmer, der sich einmal erfolgreich durchgeboxt hat, stellt sich diese Frage doch nicht mehr. Für den gibt es nur ganz oder gar nicht.

Völlig richtig. Wer einmal die Freiheit des Unternehmertums genossen hat, geht nicht zurück. Aber jeder Unternehmer kommt irgendwann an den Punkt, an dem die eigenen Kinder studieren wollen. Und hier wird es für Ihre Leser extrem konkret und wirtschaftlich relevant.
Die PKV-Falle beim klassischen Studentenjob

Die Krux mit dem klassischen Studentenjob: Der Staat hält an jeder Ecke die Hand auf. Wenn der Unternehmerspross einen klassischen Werkstudentenjob oder einen gut bezahlten Minijob annimmt, schnappt die Falle zu: Das Kind rutscht ganz schnell aus der privaten Krankenversicherung (PKV) der Eltern heraus und wird in die gesetzliche Versicherungspflicht gedrückt. Für viele Unternehmerfamilien ist das ein bürokratischer und finanzieller Albtraum.
Der PKV-Ausweg durch die eigene Gründung

Und wie löst der Nebenerwerb dieses Problem?

Ganz einfach. Wenn der Sprössling stattdessen ein kleines, eigenes Unternehmen im Nebenerwerb gründet und betreibt, besteht für diese selbstständige Nebentätigkeit eben keine gesetzliche Krankenversicherungspflicht. Das Kind bleibt in der PKV. Das Problem ist gelöst, und statt Zeit gegen Mindestlohn zu tauschen, lernt der Nachwuchs von Tag eins an, wie Wirtschaft wirklich funktioniert.
Praxisbeispiel: Torspielerschule mit 2.000 Euro im Monat

Das klingt in der Theorie logisch. Aber funktioniert das auch in der Praxis? Haben Jugendliche überhaupt das Zeug dazu?

Ich bin das beste Beispiel dafür. Als ich anfing zu studieren, stand ich vor derselben Frage. Die Ansprüche von Studenten sind heute hoch, das Studium ist teuer. Ich habe eine Torspielerschule gegründet. Heute verdiene ich mit meinem Studentenjob rund 2.000 Euro im Monat. Das ist ein perfektes Nebenerwerb-Business: Es ernährt noch keine Familie, wirft aber weit mehr ab, als jeder normale Studentenjob es je könnte.
Warum eine neutrale Instanz gebraucht wird

Nun hatten Sie einen entscheidenden Vorteil: Ihr Vater, Peter Saubert, ist ein sehr erfolgreicher Unternehmens- und Gründungsberater. Sie hatten das Mentoring quasi am Abendbrotstisch.

Absolut, und dafür bin ich extrem dankbar. Ich konnte jede Frage sofort stellen und habe fehlerfreie, praxiserprobte Antworten bekommen. Das hat es mir unendlich viel leichter gemacht. Aber genau da liegt das Problem: Dieses Privileg haben die meisten Jugendlichen nicht.
Dazu kommt ein psychologischer Faktor, den jeder Unternehmer von den eigenen Kindern kennt:
- Abnabelungsphase: Jugendliche wollen ihr eigenes Ding machen.
- Beratungsresistenz: Den Ratschlag der eigenen Eltern nimmt man in dem Alter ungern an. Man will dem Vater oder der Mutter nicht beweisen müssen, dass sie recht hatten.
Genau hier schlagen wir mit der Nebenerwerb Akademie die Brücke. Wir sind die neutrale, professionelle Instanz. Ein Unternehmer kann seinem Kind sagen: „Beschäftige dich mal mit der Akademie. Es kostet ja erst einmal nix." Der Junior kann sich dort selbstständig und unabhängig von den Eltern das Wissen aneignen.
Nebenerwerb als Mindset-Schule und Exit-Strategie

Das leuchtet ein. Sie sehen den Nebenerwerb also auch als eine Art „Brücke" für das Mindset?

Ganz genau. Für Angestellte ist es eine risikoarme Brücke, um auszuprobieren, ob ihnen das Unternehmertum überhaupt liegt. Für Unternehmer ist es das perfekte Tool zur Früherziehung des Nachwuchses. Im Nebenerwerb ist das Risiko überschaubar, die bürokratischen Hürden sind noch flach. Man lernt die Grundlagen, ohne direkt Haus und Hof zu riskieren.
Zweite Zielgruppe: 55+ und Unternehmer vor dem Exit

Sie haben im Vorgespräch noch eine ganz andere Zielgruppe erwähnt, die für unsere Leser spannend ist: ältere Menschen und sogar Unternehmer, die vor dem Exit stehen. Wie passt das zusammen?

Das ist der zweite riesige Hebel. Schauen wir uns unser Rentensystem an: Es ist ein demografisches Schneeballsystem, das seit Jahrzehnten kollabiert. Die Altersarmut droht heute selbst der Mittelschicht – oft, weil spätere Pflegekosten das mühsam Ersparte auffressen.
Gleichzeitig haben wir Menschen, die mit Mitte 50 oder Anfang 60 aus den starren Konzernhierarchien gedrängt werden. Wer mit 58 seinen Job verliert, findet wegen des Kündigungsschutzes und Altersdiskriminierung oft nichts Adäquates mehr. Für diese Menschen ist der Nebenerwerb zur Rente die Rettung – wirtschaftlich und mental.

Und was bringt das dem etablierten Unternehmer, der sein Unternehmen gerade für Millionen verkauft hat?

Die Frage nach dem „Was kommt danach?". Wer 30 Jahre lang 60 Stunden die Woche unter Strom stand, fällt nach dem Exit oft in ein tiefes Loch. Man will nicht mehr die volle Verantwortung für 50 Mitarbeiter tragen, aber nur Golfspielen erfüllt die wenigsten. Diese Unternehmer werden vielleicht nicht mehr in der Nebenerwerb Akademie lernen – sie werden aber immer noch eine Tätigkeit suchen, die sie ausfüllt.
Ein kleines, feines Nebenerwerbs-Unternehmen – sei es als Berater, im E-Commerce oder in einer persönlichen Nische – hält geistig fit, bringt Struktur und erlaubt es dem Unternehmer, sein Wissen ohne den alten operativen Druck weiterzugeben.
Fazit: Nebenerwerb als flexibelstes Werkzeug moderner Wirtschaft

Herr Saubert, vielen Dank für diese völlig neue Perspektive auf ein vermeintlich „kleines" Thema.

Ich danke Ihnen. Wer die Augen offenhält, sieht im Nebenerwerb nicht den kleinen Bruder der Selbstständigkeit, sondern das flexibelste Werkzeug unserer modernen Wirtschaft.
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FAQ
Häufige Fragen
Glossar
- Nebenerwerb
- Eine selbstständige Tätigkeit, die neben einer Hauptbeschäftigung wie einem Angestelltenverhältnis, dem Studium oder der Rente ausgeübt wird. Der zeitliche und finanzielle Umfang ist in der Regel deutlich geringer als bei einer Vollselbstständigkeit.
- Exit-Strategie
- Der im Voraus geplante Prozess des Ausstiegs eines Unternehmers aus seinem Unternehmen. Dies geschieht häufig durch einen Verkauf an einen anderen Unternehmer, ein größeres Unternehmen oder einen Finanzinvestor.
- Private Krankenversicherung (PKV)
- Ein System der Krankenversicherung in Deutschland, das als Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige, Beamte und Angestellte mit hohem Einkommen zur Verfügung steht. Die Beiträge richten sich in der Regel nach dem individuellen Risiko und dem gewählten Tarif, nicht nach dem Einkommen.
- Gesetzliche Versicherungspflicht
- Die gesetzlich vorgeschriebene Pflicht für die meisten Bürger in Deutschland, Mitglied in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zu sein. Bestimmte Personengruppen wie hauptberuflich Selbstständige können sich von dieser Pflicht befreien lassen.
- Unternehmerisches Mindset
- Bezeichnet die Denk- und Handlungsweise, die für erfolgreiche Unternehmer typisch ist. Dazu gehören Eigenschaften wie Risikobereitschaft, Lösungsorientierung, Eigenverantwortung und die Fähigkeit, Chancen zu erkennen und zu nutzen.
- Demografisches Schneeballsystem
- Eine kritische Bezeichnung für ein umlagefinanziertes Rentensystem in einer alternden Gesellschaft. Der Begriff beschreibt die Problematik, dass eine sinkende Zahl von Beitragszahlern die Ansprüche einer steigenden Zahl von Rentnern finanzieren muss.
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Um die anfängliche Motivation zu nutzen, brauchen wir einen klaren Fahrplan für Gewerbeanmeldung, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung und die Eröffnung eines Geschäftskontos.
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