Franchisegeber-Beratung
Gebührenmodell für Franchisesysteme festlegen
Das Gebührenmodell entscheidet, ob beide Seiten verdienen. Zu hoch vertreibt es gute Partner, zu niedrig trägt es die Zentrale nicht.
Zum InhaltsverzeichnisInhaltDie drei Bausteine
Franchisesysteme finanzieren sich in der Regel über drei Gebührenarten:
- Eintrittsgebühr: einmalig bei Vertragsschluss. Sie deckt vor allem die Onboarding-Kosten der Zentrale – Auswahl, Schulung, Standortunterstützung, Eröffnungsbegleitung.
- Laufende Franchisegebühr: meist prozentual vom Umsatz, teils als Festbetrag. Sie finanziert Betreuung, Weiterentwicklung und die Gewinnmarge der Zentrale.
- Marketingumlage: zweckgebunden für überregionale Werbung und Markenpflege.
Daneben gibt es Modelle über Warenaufschläge, bei denen die Zentrale über Einkaufsvorteile verdient. Sie sind weniger sichtbar, müssen in der vorvertraglichen Aufklärung aber genauso offengelegt werden.
Die Logik dahinter
Ein Gebührenmodell wird nicht am Markt abgeschrieben, sondern aus zwei Rechnungen abgeleitet. Die erste ist die Standortrechnung des Partners: Nach Gebühren muss ein angemessener Unternehmerlohn und eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals übrig bleiben. Die zweite ist die Kostenrechnung der Zentrale: Personal, IT, Schulung, Marketing und Weiterentwicklung müssen ab einer realistischen Partnerzahl gedeckt sein.
Liegen beide Rechnungen nebeneinander, zeigt sich der Spielraum. Häufig ist er kleiner als gedacht. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern der Moment, in dem Kostenstruktur oder Leistungsumfang nachgeschärft werden.
Typische Fehler
- Gebühren nach Wettbewerbern ausrichten, ohne die eigene Marge zu kennen.
- Die Anlaufphase der Zentrale unterschätzen, in der Kosten schon anfallen, Gebühren aber noch fehlen.
- Marketingumlage und Franchisegebühr vermischen und damit Vertrauen verspielen.
Unsere Rolle
Wir begleiten Sie dabei, die Franchisegebühren festzulegen. Wir rechnen Standort- und Zentralenplanung parallel, testen Szenarien und dokumentieren die Herleitung so, dass sie gegenüber Banken und Interessenten nachvollziehbar ist.
Unsere Empfehlung
Rechnen Sie das Modell aus Sicht des schwächsten realistischen Standorts. Trägt es dort, trägt es im System. Transparente Gebühren sind außerdem Ihr bestes Argument in der Partnergewinnung.
Zurück zur Übersicht der Franchisegeber-Beratung.
FAQ
Häufige Fragen
Weiterführend
Glossar
- Eintrittsgebühr
- Einmalige Zahlung des Franchisenehmers an den Franchisegeber bei Abschluss des Franchisevertrags. Sie deckt in der Regel Kosten für Schulungen, Standortsuche und die Einarbeitung des neuen Partners.
- Franchisegebühr
- Laufende Zahlung des Franchisenehmers an den Franchisegeber, meist als Prozentsatz vom Umsatz. Mit ihr werden die kontinuierliche Betreuung, die Weiterentwicklung des Systems und die Marge der Zentrale finanziert.
- Marketingumlage
- Zweckgebundene, laufende Zahlung des Franchisenehmers, die der Franchisegeber für überregionales Marketing und die Markenpflege verwendet. Sie wird getrennt von der Franchisegebühr erhoben und abgerechnet.
- Unternehmerlohn
- Kalkulatorische Größe für die Arbeitsleistung des Unternehmers in seinem eigenen Betrieb. Er soll sicherstellen, dass der Inhaber nach Abzug aller Kosten und Gebühren ein angemessenes Einkommen für seinen Lebensunterhalt erwirtschaftet.
- Warenaufschlag
- Alternatives Gebührenmodell, bei dem der Franchisegeber seine Marge durch den Verkauf von Waren, Dienstleistungen oder Rohstoffen an die Franchisenehmer erzielt. Die Zentrale nutzt hierbei Einkaufsvorteile durch größere Abnahmemengen.
- Vorvertragliche Aufklärung
- Gesetzliche Verpflichtung des Franchisegebers, einem potenziellen Franchisenehmer alle wesentlichen Informationen über das System offenzulegen, bevor dieser den Vertrag unterzeichnet. Dazu gehören insbesondere die finanzielle Kalkulation und die Details des Gebührenmodells.
Weiterführendes
Magazin
Warum Bauchgefühl nicht reicht: Wie Kennzahlen den Blick fürs Wesentliche schärfenDie Herleitung eines Gebührenmodells ist rein kennzahlenbasiert. Dieser Beitrag schärft das Verständnis, warum die richtigen Kennzahlen entscheidend sind, um nicht von einem falschen Bauchgefühl geleitet zu werden.
Magazin
Zwischen Hype und Realität: Die drei Gesichter der deutschen GründerszeneDas Gebührenmodell muss aus Sicht des Franchisepartners tragfähig sein. Dieser Beitrag liefert die nötigen Zahlen und Fakten zur Gründungsrealität in Deutschland und hilft bei der Einschätzung, was für Partner realistisch ist.
Magazin
„Factoring ist mir zu teuer“ – Ein teurer Irrtum im Working Capital ManagementFranchisezentralen haben einen hohen Vorfinanzierungsbedarf in der Startphase. Dieser Beitrag zeigt Instrumente auf, mit denen sich das Working Capital steuern lässt, um die eigene Liquidität zu sichern.
Magazin
Zahlen lügen nicht, aber sie täuschen: Was Unternehmer aus der Rentendebatte über Kennzahlenanalyse lernen könnenDie Berechnung eines Gebührenmodells ist eine komplexe Kennzahlenanalyse. Dieser Beitrag sensibilisiert für typische Fallstricke und Denkfehler bei der Arbeit mit Zahlen und hilft, die eigene Kalkulation kritisch zu prüfen.
Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.
