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Grundmodul

Wettbewerbsanalyse

Der gefährlichste Konkurrent ist selten die direkte Kopie, sondern das Substitut. Wie Sie im Businessplan Ersatzprodukte offen benennen und daraus Ihre größte Chance machen.

Bearbeitungsstand: Juli 2026

Wozu Klärungsbogen und Leseliste?

Beides ist Ihr privater Arbeitsbereich unter „Meins" – eine persönliche Aufgaben- und Merkliste, mit der Sie beim Lesen einen roten Faden behalten. Wir als Unternehmensberatung greifen darauf nicht zu.

Die Leseliste sammelt Beiträge, Module und Folgen, die Sie später lesen oder hören wollen. Der Klärungsbogen sammelt offene Fragen, die Ihnen beim Lesen einfallen – mit Quelle und Sprungmarke. Wenn Sie irgendwann ein Gespräch mit uns führen möchten, bringen Sie den Klärungsbogen als Ihre Agenda mit. Solange Sie das nicht tun, bleibt er bei Ihnen.

Wie „Meins" funktioniert

Inhalt

Viele Gründer machen bei der Wettbewerbsanalyse im Businessplan eine reine Alibi-Übung: Sie googeln drei direkte Konkurrenten aus der Nachbarschaft oder der gleichen Branche, listen deren Preise auf und schreiben darunter: „Wir sind billiger und bieten besseren Service."

Für erfahrene Banker und Investoren ist das der Beweis, dass Sie den Markt nicht zu Ende gedacht haben. Die größte Gefahr für Ihr neues Unternehmen kommt nämlich selten von den Mitbewerbern, die exakt dasselbe tun wie Sie. Sie kommt von den sogenannten Substituten (Ersatzprodukten).

Wer im Businessplan nur die Konkurrenz links und rechts von sich auflistet, übersieht den Angreifer von hinten. Die echte Gefahr für Ihr Geschäftsmodell ist selten die direkte Kopie, sondern das Substitut, das Ihr Produkt für den Kunden komplett überflüssig macht.

Peter SaubertUnternehmensberater

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie eine professionelle Wettbewerbsanalyse aufbauen, die Brücke zum Controlling schlagen und die Gefahr von Ersatzprodukten im Businessplan sogar als Ihre größte Chance verkaufen.

1. Das Fundament: Direkter vs. indirekter Wettbewerb

Um den Markt richtig zu analysieren, müssen Sie Ihre Konkurrenz in zwei Kategorien einteilen:

  • Direkte Wettbewerber: Unternehmen, die dieselbe Dienstleistung oder dasselbe Produkt für dieselbe Zielgruppe anbieten. (Beispiel: Ein Taxibetrieb konkurriert direkt mit einem anderen Taxibetrieb vor Ort.)
  • Indirekte Wettbewerber (Substitute): Unternehmen oder Technologien, die ein komplett anderes Produkt anbieten, damit aber dasselbe Kundenbedürfnis befriedigen. (Beispiel: Das Grundbedürfnis des Taxikunden ist „Mobilität von A nach B". Dieses Bedürfnis wird auch von E-Scooter-Verleihern, Carsharing-Anbietern oder dem öffentlichen Nahverkehr gestillt. Das sind die Substitute.)

2. Die Brücke zum „1×1 des Controllings": Die Branchenstrukturanalyse

An dieser Stelle verknüpfen wir die Businessplan-Erstellung direkt mit dem Werkzeugkasten des Controllings. Im Controlling nutzen wir für die strategische Planung die Branchenstrukturanalyse nach Michael Porter (auch bekannt als die Five Forces).

Das Controlling schaut hierbei auf fünf Marktkräfte, die Ihre spätere Rentabilität bestimmen. Eine der aggressivsten Kräfte ist die Bedrohung durch Ersatzprodukte. Im Controlling analysieren wir diese Substitute nach dem sogenannten Preis-Leistungs-Verhältnis aus Kundensicht. Wenn ein Ersatzprodukt das gleiche Problem des Kunden billiger, schneller oder bequemer löst, bricht Ihr Markt weg – völlig egal, wie gut Sie im Vergleich zu Ihren direkten Konkurrenten sind.

Bauen Sie diese Controlling-Denkweise aktiv in Ihren Businessplan ein. Zeigen Sie dem Banker, dass Sie nicht nur Ihre direkten Mitstreiter im Auge haben, sondern die strukturellen Kräfte des gesamten Marktes verstehen.

Wie Sie die Werkzeuge zur Umweltschätzung systematisch anwenden, vertiefen wir im Modul Marktanalyse, Trendradar und Technologiebeobachtung.

3. Substitute im Businessplan: Vom Risiko zur eigenen Gründungschance

Wie gehen Sie nun konkret im Text mit dieser Gefahr um? Sie benennen das Risiko offen und drehen es strategisch zu Ihrem Vorteil um. Wenn Sie verstanden haben, womit sich Ihr Angebot als Substitut ersetzen lässt, können Sie Ihre Gründung genau so positionieren, dass Sie entweder immun gegen das Substitut sind – oder selbst als das bessere Substitut in den Markt eintreten.

Ein konkretes Beispiel zur Veranschaulichung

Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein klassisches, gehobenes Nachhilfeinstitut für Schüler gründen.

  • Die direkte Konkurrenz: Andere Nachhilfeschulen in der Stadt.
  • Das Substitut (Das Risiko): Kostenlose Erklärvideos auf YouTube, KI-Lernsoftware oder günstige Online-Lernplattformen. Schüler können sich den Stoff heute theoretisch selbst digital erarbeiten. Das ist das Substitut, das Ihr klassisches Geschäftsmodell bedroht. Kunden könnten Sie einfach durch eine App ersetzen.

Die strategische Chance für Ihre Gründung

Statt diese digitalen Substitute zu ignorieren, integrieren Sie sie in Ihre Strategie und nutzen die Schwächen der Substitute als Ihr Verkaufsargument:

Uns ist bewusst, dass rein digitaler Content und KI-Lernplattformen starke Substitute für klassische Nachhilfe sind. Doch genau hier liegt unsere Chance: Reine Software kann die fehlende Disziplin, die menschliche Empathie und die gezielte Motivation bei Lernschwierigkeiten nicht ersetzen. Wir positionieren uns daher als hybrides Institut: Wir nutzen die digitalen Tools als unterstützendes Werkzeug in unserem Haus, setzen im Kern aber auf die persönliche, psychologische Betreuung, die keine App der Welt bieten kann.

Peter SaubertUnternehmensberater

Damit beweisen Sie dem Banker zweierlei: Erstens, Sie haben verstanden, warum Kunden abwandern könnten. Zweitens, Sie haben Ihr Angebot so modifiziert, dass das Substitut Ihnen keine Kunden wegnimmt, sondern Sie das Beste aus beiden Welten vereinen.

4. Die Perspektive wechseln: Werden Sie selbst zum Substitut!

Die größte Chance bei einer Gründung im Jahr 2026 ist es oft, selbst als Substitut anzutreten, um einen verkrusteten Markt aufzumischen. Wenn Sie eine Geschäftsidee haben, die ein altes Problem auf eine völlig neue Art löst, ersetzen Sie die bestehenden Anbieter.

Wenn Sie beispielsweise eine automatisierte Software für die Lohnabrechnung in Handwerksbetrieben gründen, konkurrieren Sie nicht mit anderen Softwareanbietern. Ihr eigentlicher Gegner ist das Substitut „Der Steuerberater, der das manuell macht". Im Businessplan erklären Sie dann genau, warum Ihr digitales Substitut für den Handwerker viel schneller, fehlerfreier und günstiger ist als der traditionelle Weg.

Fazit

Eine Wettbewerbsanalyse, die das Controlling-Prinzip der Ersatzprodukte verstanden hat, liest sich für Investoren wie ein spannender Strategiebericht. Zeigen Sie im Businessplan, dass Sie wissen, womit Ihre Kunden Sie ersetzen könnten. Wenn Sie gleichzeitig erklären, welche konkreten Abwehrmaßnahmen Sie dagegen treffen oder wie Sie selbst als innovatives Substitut den Markt erobern, haben Sie den roten Faden perfekt getroffen. Das gibt Geldgebern die Sicherheit, dass Ihr Geschäftsmodell auch langfristig krisenfest bleibt.

Wie Sie Markt- und Trendberichte in Ihren Businessplan einarbeiten, zeigen wir in den Markt- und Trendberichten von fivewi.

Verknüpfungen zum 1×1 des Controllings

FAQ

Häufige Fragen

Glossar

Wettbewerbsanalyse
Systematische Untersuchung des Marktes zur Identifikation und Bewertung von Konkurrenten. Ziel ist es, deren Stärken, Schwächen und Strategien im Verhältnis zum eigenen Unternehmen zu verstehen.
Substitute / Ersatzprodukte
Güter oder Dienstleistungen, die ein identisches oder sehr ähnliches Kundenbedürfnis befriedigen, aber auf einer anderen Technologie oder einem anderen Lösungsansatz basieren. Sie stellen oft eine größere Gefahr dar als direkte Wettbewerber.
Branchenstrukturanalyse
Ein strategisches Analyse-Instrument aus dem Controlling (bekannt als „Porter‘s Five Forces“), das die Attraktivität einer Branche anhand von fünf Wettbewerbskräften bewertet. Die Bedrohung durch Substitute ist eine dieser Kräfte.
Direkter Wettbewerb
Bezeichnet die Konkurrenz durch Unternehmen, die ein identisches oder sehr ähnliches Produkt für dieselbe Zielgruppe im selben Markt anbieten.
Controlling
Ein Teilbereich der Unternehmensführung, der die Planung, Steuerung und Kontrolle aller Unternehmensbereiche zur Erreichung der strategischen und operativen Ziele sicherstellt. Es liefert die Werkzeuge zur Analyse von Märkten und Wettbewerb.
Businessplan
Schriftliches Dokument, das ein unternehmerisches Vorhaben detailliert beschreibt. Er umfasst das Geschäftsmodell, die Ziele, Strategien sowie die Finanz- und Marketingplanung und ist eine wesentliche Grundlage für die Kapitalbeschaffung.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Kennzahl, die den vom Kunden wahrgenommenen Nutzen (Leistung) eines Produktes ins Verhältnis zu dessen Preis setzt. Ein überlegenes Preis-Leistungs-Verhältnis ist ein entscheidender Faktor bei der Wahl zwischen Original und Substitut.

Weiterführendes

Zusammengestellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft.

Mein Klärungsbogen

Ihre offenen Punkte zu diesem Beitrag

Typische offene Fragen zu diesem Beitrag. Setzen Sie einzelne Punkte auf Ihre persönliche Aufgabenliste unter „Meins" – oder ergänzen Sie eine eigene Frage. Der Klärungsbogen ist Ihr privater Arbeitsbereich; wir greifen darauf nicht zu. Sie nutzen ihn als roten Faden beim Lesen – und nehmen ihn, wenn Sie wollen, als Agenda in ein Beratungsgespräch mit.

  • Wo finde ich verlässliche Daten und Berichte für meine Wettbewerbsanalyse?

    Wir müssen klären, welche Quellen wie Branchenverbände oder Marktstudien für Ihre spezifische Geschäftsidee die validesten Daten liefern.

  • Wie setze ich meinen Preis, wenn die Substitute für den Kunden fast kostenlos sind?

    Wir müssen den Mehrwert Ihrer Lösung gegenüber den Substituten klar herausarbeiten und in einen Preis übersetzen, der diesen Wert widerspiegelt.

  • Wie übersetze ich die Wettbewerbsanalyse in konkrete Zahlen für meinen Finanzplan?

    Wir müssen die Erkenntnisse über den Wettbewerb nutzen, um realistische Annahmen für Umsatz, Marge und Wachstum in Ihrer Finanzplanung zu treffen.

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